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BTE unterstützt Handel gegen FOC-Ansiedlungen

FOC-Pforzheim birgt mehr Gefahren als Chancen

 

Der BTE hat sich schon mehrfach gegen die stetige Expansion von Factory Outlet Center (FOC) oder Designer Outlet Center (DOC) ausgesprochen. Als Hilfestellung für betroffene Händler hat der BTE schon vor Jahren ein „Positionspapier zu den Auswirkungen von Factory Outlet Center auf den deutschen Textil- und Bekleidungsmarkt“ erstellt, das im letzten Jahr noch einmal überarbeitet und aktualisiert wurde. Damit zeigt der BTE die Auswirkungen von FOCs auf den Textil- und Bekleidungsmarkt in Deutschland auf, und zwar sowohl für den stationären Textileinzelhandel als auch für die Textil- und Bekleidungsindustrie. Das Positionspapier kann eingesehen und downgeloaded werden unter www.bte.de (Rubrik: Fachthemen; Stichwort: Factory Outlet Center).

 

Jetzt kann der BTE dem Handel noch weitergehende und konkretere Unterstützung anbieten. Durch die Expertise von BTE-Hauptgeschäftsführer Dipl.-Geograph Rolf Pangels können seit kurzem auch umfangreiche Auswirkungsanalyse zu geplanten FOC/DOC erstellt werden. Erstmalig geschehen ist das beim geplanten Factory Outlet Center (FOC) im Gewerbegebiet Oberes Enztal/Brötzinger in Pforzheim.

 

Das in der freigewordenen Immobilie des Versandhauses Bader in der Adolf-Richter-Straße vorgesehene, rund 25.000 Quadratmeter Verkaufsfläche umfassende Vorhaben, wird in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Im Rahmen der BTE-Auswirkungsanalyse wurde untersucht, welche ökonomischen, städtebaulichen und raumordnerischen Auswirkungen von diesem Vorhaben ausgehen können. Darauf aufbauend erfolgte eine Bewertung, ob die relevanten Planungsvorschriften eingehalten werden. Die wichtigsten Ergebnisse in Kurzform:

  • Für das geplante FOC Pforzheim ist von einem Umsatzvolumen in einer Spannbreite von rund 118 bis 128 Mio. Euro p.a. auszugehen.
  • Mit rund 87 Prozent würde sich der überwiegende Anteil des zu erwartenden Umsatzes des FOC Pforzheim durch Umverteilungen im Einzugsgebiet ergeben. Etwa 13 Prozent würden durch Streuumsätze generiert, die zusätzliche Kaufkraft nach Pforzheim bringen würden.
  • Im Einzelnen ergeben sich folgende Umsatzherkunftswerte (Rundungsdifferenzen sind möglich): Naheinzugsgebiet: ca. 29 Prozent des Umsatzes (34,2 bis 37,1 Mio. Euro), Mittleres Einzugsgebiet: ca. 33 Prozent des Umsatzes (38,9 bis 42,2 Mio. Euro), Ferneinzugsgebiet: ca. 25 Prozent des Umsatzes (29,6 bis 32,1 Mio. Euro), Streuumsätze: ca. 13 Prozent des Umsatzes (15,3 bis 16,6 Mio. Euro).
  • Das potentielle Einzugsgebiet des FOC Pforzheim würde den im Landesentwicklungsplan 2002 Baden-Württemberg verbindlich festgelegten zentralörtlichen Verflechtungsbereich der Standortgemeinde deutlich bzw. überverhältnismäßig überschreiten. Es wäre flächenmäßig etwa 4 Mal so groß wie der aktuelle zentralörtliche Verflechtungsbereich. Zudem würde das potentielle Einzugsgebiet mit einem nicht unerheblichen Flächenanteil auf die benachbarten Bundesländer Hessen und Rheinland-Pfalz übergreifen.
  • Die Umsatzverlagerungen im Naheinzugsgebiet des FOC Pforzheim, würden zuvorderst zu Lasten der Stadt Pforzheim, hier insbesondere der Innenstadt, selbst gehen. In den relevanten Sortimentsbereichen müsste in der Innenstadt mit Umsatzverlusten in einer Spannbreite von 13 bis 16 Prozent gerechnet werden. Bringt man dazu mögliche Umsatzzuführeffekte durch das FOC in Relation, würden sich die Umsatzabflüsse in der Innenstadt auf 11 bis 14 Prozent „reduzieren“.
  • Das FOC Pforzheim widerspricht in der jetzigen Plan- und Standortvariante sowohl übergeordnet als auch regionalspezifisch nahezu sämtlichen Planungsvorschriften. Es wird sowohl gegen das Kongruenzangebot als auch gegen das Beeinträchtigungsverbot verstoßen. Als Oberzentrum kommt Pforzheim grundsätzlich für einen FOC-Standort in Frage, somit ist das Konzentrationsgebot eingehalten. Der konkrete Planstandort ist allerdings weder räumlich noch funktional als integrierter Standort anzusehen, wodurch wiederum das Integrationsgebot nicht eingehalten würde.
  • Durch das FOC Pforzheim würden bestehende Versorgungsstrukturen für einzelne Sortimentsbereiche in vielen Städten und Gemeinden des nah- und mittleren Einzugsgebietes nicht nur unwesentlich beeinträchtigt. Die infolge des FOC-Vorhabens zu erwartenden Umsatzverluste in den betrachteten Städten werden mit mittlerer bis hoher Wahrscheinlichkeit negative städtebauliche Auswirkungen haben. Das FOC Pforzheim gefährdet die Funktionsfähigkeit zentraler Versorgungsbereiche zahlreicher Grund-/Kleinzentren und auch einiger Mittelzentren im Kern- und Naheinzugsbereich.

Fazit: Insgesamt birgt das FOC-Vorhaben in Pforzheim deutlich mehr Gefahren als Chancen für die Stadt bzw. die Region. Es verstößt sowohl mit der Standortwahl als auch mit seiner vorgesehenen Dimensionierung gegen relevante Planungsvorschriften.

 

Neuer Service: Der BTE bietet betroffenen Händlern und Handelsverbänden an, eine Auswirkungsanalyse zu geplanten FOC/DOC zu erstellen oder bei der Analyse unterstützend tätig zu werden. Interessenten wenden sich dazu an BTE-Hauptgeschäftsführer Rolf Pangels, E-Mail pangels@bte.de.