· 

Modehaus May, Waldshut: „Der Wind kommt zunehmend von vorne“

Beim Modehaus May in Waldshut-Tiengen steht eine Zeitenwende bevor. Inhaber Ulrich Gröber will bei der Weiterentwicklung seines Unternehmens neue Wege gehen. Dabei setzt er u.a. auf Agilität, Start-up-Mentalität, Denkwerkstatt, Mitarbeiterpartizipation und Micro-Marketing.

 

In den letzten beiden Jahren wurden bei May zwei Projekte abgeschlossen: Die Erweiterung und Neugestaltung des Stammhauses auf 4.000 qm und die Eröffnung eines eigenständigen Lingerie-Stores. Zwei Meilensteine, auf die sehr lange hingearbeitet wurde und die über viele Jahre mit sehr viel Liebe zum Detail geplant wurden. „Als im Frühjahr letzten Jahres das Lingeriekonzept eröffnet wurde, dachten wir, wir hätten es geschafft und wollten die Früchte unserer langjährigen Arbeit ernten. Aber der Erfolg, so wie wir ihn erwartet hatten, blieb aus. Die Welt und damit auch die Kunden hatte sich inzwischen verändert. Das hatten wir mit unserem projektbezogenem Tunnelblick gar nicht mitbekommen“, so Gröber nachdenklich. „Der Wind kam plötzlich von vorne und wir mussten feststellen, dass es heutzutage längst nicht mehr ausreicht ein tolles designorientiertes Geschäft mit einem erstklassigen Sortiment zu haben. Bei aller Planung hatten wir die Kunden und deren Bedürfnisse aus den Augen verloren.“

 

Mit verschiedenen Maßnahmen wie z.B. Workshops, an denen Kunden und Mitarbeiter sowie externe Partner teilnehmen, soll zukünftig sichergestellt werden, dass die Kunden stärker im Fokus stehen. Ulrich Gröber nimmt an diesen Meetings bewusst nicht teil, um die Ideenentwicklung nicht zu beeinflussen. Aktuell steht dort u.a. das Thema Digitalisierung auf der Agenda und gemeinsam wurde mit Start-up-Mentalität der erste Prototyp einer App entwickelt, die die Mitarbeiter auf der Fläche bei der Kundenberatung unterstützt. Apropos Mitarbeiter. Diese sollen jetzt eigenverantwortlicher und mit viel mehr Gestaltungsspielraum mit den Kunden kommunizieren. „Wir hatten zuvor detailliert festgeschrieben, wer sich wie um welche Kunden kümmern sollte. Das hat aber nicht so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt hatten. Dieses selbstbestimmte Micro-Marketing ist viel erfolgreicher und zudem weniger kostenintensiv.“

 

Auch in Sachen Unternehmensleitung will Gröber neue Wege gehen. Er selbst wird sich aus der operativen Leitung etwas zurückziehen und die Geschäftsführung um zwei Führungskräfte erweitern. Eine soll mehr kaufmännischen Background mitbringen und die andere Marketing-Expertise.