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Grüner Knopf: Holpriger Start des neuen Siegels

Seit Anfang vergangener Woche sind die ersten Textilien erhältlich, die mit dem Grünen Knopf gekennzeichnet sind. Das neue staatliche Siegel soll den Kunden auf einen Blick deutlich machen, dass die Artikel sozial- und umweltverträglich hergestellt wurden. Der Start wurde allerdings von viel Kritik begleitet.

 

Der Grüne Knopf ist das erste staatliche Siegel für Textilien. Rechtlich gesehen ist es eine beim Patentamt eingetragene Gewährleistungsmarke. Damit übernimmt das Bundeentwicklungsministerium als Inhaber die Gewähr dafür, dass die ausgezeichneten Produkte bestimmte Eigenschaften haben. Jedes Produkt muss 26 soziale und ökologische Anforderungen erfüllt.

Dazu gehören u.a. der Verzicht auf gefährliche Chemikalien und Weichmacher sowie Verbot von Kinder- sowie Zwangsarbeit. Die Hersteller der Produkte müssen zudem anhand von 20 Kriterien nachweisen, dass sie ihre Sorgfaltspflichten erfüllen (z.B. Kontrolle der Vorlieferanten, Transparenz).

 

Zum Start waren 27 Händler und Hersteller dabei. Darunter z.B. Hess Natur, Aldi, Tchibo, Vaude und Trigema. Weitere 26 Unternehmen sind gerade im Prüfprozess. Insgesamt seien bisher 70 Unternehmen am Grünen Knopf interessiert, so Bundesumweltminister Gerd Müller, der das Siegel als „Meilenstein mit Signalwirkung“ bezeichnete.

 

Die Einführung des Siegels wurde allerdings von deutlicher Kritik von Seiten der Verbände und Umweltschutzorganisationen begleitet. Kritisiert wurde u.a., dass die Prüfung in der Einführungsphase nur zwei Produktionsschritte abdeckt: Färben/Bleichen und Zuschneiden/Nähen. D.h., dass z.B. sowie der Einsatz von Pestiziden auf Baumwollfeldern oder der Einsatz von Chemikalien in der synthetischen Faserproduktion zunächst unberücksichtigt bleiben.

 

Der BTE Handelsverband Textil unterstützt grundsätzlich die Ziele des Siegels, die Textil- und Bekleidungsbranche nachhaltiger zu gestalten, kritisiert aber, dass die Verzahnung mit den Inhalten des bereits bestehenden Textilbündnisses nicht besser gelungen ist. „Für uns ist es unverständlich, dass die Anstrengungen der am Textilbündnis teilnehmenden Unternehmen nicht honoriert werden“, so Rolf Pangels, BTE-Hauptgeschäftsführer.

 

Außerdem wird vom BTE bemängelt, dass die aktuell verfügbaren Prüfkapazitäten bei weitem nicht ausreichen. Dies sei laut Pangels auch daran zu erkennen, dass zum Start nicht alle potenziellen Unternehmen berücksichtigt werden konnten. „Hinzukommt, dass bei den aktuellen Teilnehmern nur einzelne Produkte geprüft werden. Der Weg zu einem weit verbreiteten Siegel scheint noch lang, wenn die Kontrollen nicht zügig und ohne unnötige Hürden durchgeführt werden können.“