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Handel und Industrie: Neues Geschäftsmodell erforderlich

Die Fashionbranche sollte die aktuelle Krise nutzen, das Geschäftsmodell zwischen Handel und Industrie grundlegend zu ändern und an gemeinsamen Zielsetzungen auszurichten. Dies empfiehlt die Unternehmensberatung Hachmeister + Partner.

 

„Nur gemeinsam können wir erfolgreich sein“ – dieser Satz wird in der Fashionbranche nicht erst seit Beginn der Corona-Krise gebetsmühlenartig wiederholt. Die Forderung nach kooperativem Handeln ist fast so alt wie die Branche selbst. Für Ole Schartl, Partner der Unternehmensberatung Hachmeister + Partner, greift sie allerdings nicht nur in der aktuellen Situation zu kurz: „Es wird in Zukunft nicht mehr ausreichen, allein die Kooperationen zu verbessern. Viel wichtiger und dringend erforderlich ist es, die bestehenden Geschäftsmodelle der beiden Marktpartner und deren Organisation und Prozesse grundlegend neu zu definieren. So muss es z.B. zwingend eine eindeutige gemeinsame Zielsetzung geben, die sich an dem ertragreichen Abverkauf an den Endverbraucher orientiert.“

 

Im Einzelnen seien folgende Änderungen erforderlich:

  • Ausrichtung der Geschäftsmodelle beider Partner auf den ertragreichen Verkauf an den Endverbraucher;
  • Incentivierungsmodelle, die diesem Ziel Rechnung tragen;
  • echte Veränderung der Saisonrhythmik, ausgerichtet am Konsumenten;
  • auf die neue Saisonrhythmik ausgerichtete Kollektionsarchitekturen und Kollektionsgrößen;
  • deutlich kürzere Lead-Times – nur möglich, wenn Prozessschritte in Order/Einkauf grundlegend geändert werden;
  • deutliche Flexibilisierung zwischen Erst-Allokation und bedarfsgerechter Nachsteuerung;
  • zeitliche Entkopplung von Waren- und Finanzströmen;
  • Flexibilisierung von Ertrags- bzw. Abrechnungsmodellen;
  • permanente Informationssynchronisierung für beide Seiten – einheitliche Daten und KPI Basis;
  • Sicherstellung von Abnahmen im Rahmen des gemeinsamen Plans;
  • wirtschaftliche Tragfähigkeit für beiden Seiten bis circa. minus zehn Prozent zum Plan;
  • Rückgewinnung des Wertempfindens beim Endverbraucher;
  • abgestimmtes Warenmanagement am POS;
  • ausreichend und qualifiziertes Verkaufspersonal;
  • ganzheitlich abgestimmte Marketingmodelle.

Auf Basis dieser Ziele und Maßnahmen müssen, so die Empfehlung von BTE KompetenzPartner Hachmeister + Partner, Hersteller und Handel ihre Geschäftsmodelle grundlegend verändern. Im zweiten Schritt gelte es dann, die Details der Zusammenarbeit so auszugestalten, dass der Zweck einer partnerschaftlichen Kooperation, nämlich den verbesserten bzw. gesicherten wirtschaftlichen Erfolg auf beiden Seiten, erreicht werden kann.

 

„Auch wenn die derzeitige Krise den Unternehmen wirtschaftlich wenig Luft bietet, so haben aber beide Seiten genau jetzt eine erhöhte Bereitschaft, die Bedingungen grundlegend zu verändern. Dieses Momentum sollte die Branche nutzen, um die entsprechenden Maßnahmen nachhaltig anzugehen“, so Ole Schartl.

 

Da es schwierig sei, bestehende Geschäftsmodelle im Echtbetrieb zu verändern, empfiehlt der Branchenexperte, neue Formen der partnerschaftlichen Zusammenarbeit zunächst im Parallelbetrieb zum bestehenden Geschäftsmodell zu testen. „Sobald sich das neue Geschäftsmodell bewährt hat und alle Schwachstellen beseitigt sind, kann dann das alte Modell zum richtigen Zeitpunkt abgeschaltet werden.“