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Innenstädte: Frequenzen noch verhalten

In den ersten beiden Wochen seit Beginn der Lockerung war die Frequenz in den Einkaufsstraßen noch verhalten. Einen positiven Schub erhofft sich der Handel von der Öffnung gastronomischer Betriebe. Die Konsumstimmung ist aber insgesamt eingetrübt.

 

Der Frequenzmessung des Dienstleisters Imtargis zufolge, lag die Frequenz in der 19. KW im Schnitt bei 56 Prozent des Durchschnittsniveaus für das Jahr 2019. Gemessen wurde an 48 Zählpunkten in 45 deutschen Innenstädten. Die in dieser Woche erfolgte bundesweite Öffnung auch größerer Geschäfte wird die Anziehungskraft der Einkaufsstraßen weiter erhöhen. Mit einem Ansturm an Kunden rechnet der BTE allerdings nicht. „Wir haben in den Bundesländern, in denen bereits größere Modehäuser komplett öffnen durften, eine deutlich unterdurchschnittliche Kundenfrequenz registriert“, so BTE-Hauptgeschäftsführer Rolf Pangels.

Es wird erwartet, dass durch die Öffnung gastronomischer Betriebe das Passantenaufkommen weiter gepusht wird. Trotzdem rechnen die Handelsverbände Textil (BTE), Schuhe (BDSE) und Lederwaren (BLE) damit, dass die Umsätze in den nächsten Wochen nicht die Vorjahreswerte erreichen, nicht zuletzt weil vielen Kunden der Anlass fehlt, sich ein neues Outfit zuzulegen. „Solange größere Feiern und Feste eingeschränkt oder sogar verboten sind und Millionen Menschen im Homeoffice arbeiten oder sogar in Kurzarbeit sind, rechnen wir mit deutlichen Einbußen“, erläutert Pangels. Hinzu kommt, dass das Tragen der Masken und Warteschlangen vor den Geschäften sowie vor den Umkleidekabinen die Shoppinglust der Verbraucher nicht unbedingt befeuern.

 

Dass die Verbraucherstimmung weiter auf Talfahrt ist, wird auch darin deutlich, dass das HDE-Konsumbarometer auf einem Tiefstand steht. Viele Verbraucher befürchten Einkommenseinbußen und halten sich mit Konsumausgaben zurück. Um die Konsumstimmung wieder anzukurbeln, macht sich der HDE für die Ausgabe von Coronaschecks stark, und zwar in Höhe von 500 Euro für jeden Einwohner. Die Ankurbelung des privaten Konsums sei auch mit Blick auf die Zukunft der Innenstädte als vitale Zentren von entscheidender Bedeutung. Der HDE rechnet mit bis zu 50.000 Insolvenzen aufgrund der Corona-Krise. „Wir fürchten sehr, dass die Innenstädte nach der Krise nicht mehr so aussehen, wie vor der Krise. Viele Läden werden fehlen.“

 

Weitere notwendige Maßnahmen zur Belebung und damit Sicherung der Innenstädte aus Sicht des BTE sind:

  • besserer Zugang der Innenstädte durch zeitweise Lockerung der Zugangsbeschränkungen für den PKW-Verkehr;
  • neues oder angepasstes Investitionszulagengesetz für Innenstädte;
  • Änderung/Anpassung der Städtebaufördermittel;
  • Änderung des Planungsrechts zugunsten des innerstädtischen Einzelhandels;
  • unbürokratische Möglichkeiten für Sonntagsöffnungen.