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Messe: Die Premiere der Digital Fashion Week

Neue Situationen erfordern neue Lösungen: Vom 28. bis 30. Juli veranstaltete die B2B-Plattform Fashion Cloud, u.a. vom BTE unterstützt, die Digital Fashion Week. Über 100 Marken präsentierten ihre Frühjahr-Sommer-Kollektionen 2021 auf virtuelle Weise. Auch Trendvorträge und Paneldiskussionen gab es. Wie war es?

 

 Die Teilnehmer sind sich weitgehend einig: „Super, dass die Plattform ins Leben gerufen wurde. Sie war schließlich mit einem immensen technischen und organisatorischen Aufwand verbunden“, spricht Modehändler Holger Wellner aus Hameln zunächst einmal Lob aus. Auch Denise Starke, Bereichsleiterin Mode & Lifestyle bei Dodenhof in Posthausen, signalisiert: „Wir sind froh über alle digitalen Möglichkeiten, die sich in dieser Zeit neu erschließen – nicht zuletzt auch im Hinblick auf Zeitersparnis und Effektivität. Die Digital Fashion Week war aus dieser Perspektive betrachtet sehr gut vorbereitet. Wir haben viele neue Eindrücke gewonnen.“

Aus Sicht der ausstellenden Marken kommt ebenfalls positives Feedback, wenngleich zum Redaktionsschluss noch keine exakten Auswertungen vorlagen: „Die Digital Fashion Week hat uns unmittelbar in die Digitalisierung des Marktes katapultiert und damit einen großen Lerneffekt mit dem dazugehörigen Output generiert. Unser digitales Bildmaterial findet großen Anklang und wird nun für weitere Einsatzzwecke bei unseren Kunden sowie Partnern genutzt“, berichtet Stephan Horst, Marketingleiter bei Bugatti. Mark Bezner, Geschäftsführender Gesellschafter von Olymp, stimmt zu: „Die letzten Monate haben gezeigt, dass aus der Not viele neue Chancen und Möglichkeiten geboren werden. Nachdem Branchentreffen und andere Großveranstaltungen gegenwärtig virusbedingt ausfallen, erachten wir die Digital Fashion Week als interessante Alternative, Kollektionen gegenüber einem größeren Kreis an Interessenten zu präsentieren. Deshalb haben wir diese für unsere Premiumlinie Olymp Signature ohne Zögern genutzt. Insbesondere die Kombination aus im Vorfeld produzierten Videoinhalten, über welche die Marke und das Produkt in attraktiver Weise inszeniert werden können, und Livestreams, während derer mit dem Publikum interagiert und auf individuelle Fragen unmittelbar Bezug genommen werden kann, bewerten wir überaus positiv.“

 

Physische Messen nicht zu ersetzen

 

Doch auch eine andere – möglicherweise für die Zukunft wertvolle – Erkenntnis ist gereift: „Das digitale Format kann den persönlichen Kontakt zu unseren Kunden und die tatsächliche Begegnung mit der Kollektion nicht ersetzen. Aus Vertriebsperspektive sind wir daher dankbar, über die Jahre so ein gutes Netzwerk an Partneragenturen ausgebaut zu haben, das in dieser Order-Saison für uns noch einmal deutlich an Bedeutung gewonnen hat“, resümiert Yvonne Ley, Vertrieb der Marke Lanius. Auch Denise Starke unterstreicht: „Es bleibt unbestritten, dass uns ‚echte‘ Messen fehlen. Es braucht sicherlich nicht viele, dafür aber sehr gute Messen, auf denen wir Tendenzen und Stimmungen – wo liegt der Fokus, wo bilden sich Menschentrauben, was beobachten andere? – sehr viel besser wahrnehmen können als digital.“ Holger Wellner, bekanntlich digital-affin, vermisst ebenfalls „Emotionen und das Erfahren mit allen Sinnen“. Er erachtet digitale Messe-Formate daher für die Zukunft lediglich als Ergänzung.

 

Auch Mark Bezner sieht „echte Messen nicht ansatzweise kompensiert“. Und dennoch: „Die Offline-Messe-Erfahrung war eine völlig neue für uns, weshalb wir bei Weitem noch nicht alle Optionen ausgeschöpft haben.“ Er prognostiziert: „Der Anteil an digitalen Präsentations- und Verkaufselementen wird in Folge der aktuellen Entwicklungen weiter rasant zunehmen.“

 

Soweit zur digitalen Messe. Wer sich selbst ein Bild machen möchte: Der Großteil des gezeigten Contents steht hier weiterhin bereit.

 

Und wie sind die neuen Kollektionen? Holger Wellner hätte sich einen energischeren Schritt nach vorne gewünscht. „Der Veränderungsdruck ist doch da und keiner zweifelt an den richtigen Themen. Ob Ready-to-wear, Nachhaltigkeit oder Begehrlichkeit: Es hat sich zu wenig weiterbewegt“, lautet sein ganz persönliches Fazit.