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P2B-Verordnung: Mehr Transparenz auf Online-Plattformen

Im Wettbewerb David gegen Goliath alias Amazon & Co. hat der Mittelstand gesetzlich verankerte Unterstützung erhalten. Seit dem 12. Juli gilt die „EU-Verordnung 2019/1150 zur Förderung von Fairness und Transparenz für gewerbliche Nutzer von Online-Vermittlungsdiensten“. Und die Regulierungen sollen weitergehen.

 

Die Verordnung – auch Platform-to-Business-VO oder kurz P2B-VO genannt – soll der zum Teil undurchsichtigen Geschäftspolitik von Plattform-Betreibern Grenzen setzen. Zum einen sieht sie vor, dass diese ihren Ranking-Algorithmus offenlegen müssen. Bislang war es für Händler nicht ersichtlich, warum ihre Produkte auf Plattformen erst an dieser oder jener Stelle präsentiert wurden.

Der Grund ist aus Sicht von Dr. Dominik Benner, Geschäftsführender Gesellschafter der Benner Holding, klar: „Egal, ob Amazon, Otto oder Zalando: Alle haben einen eigenen Einkauf und eigene Warenbestände, dies hat immer Vorrang.“

 

Neben den Ranking-Parametern muss nun in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen auch transparent gemacht werden, aus welchen Gründen Händler-Konten gesperrt werden können, was in der Vergangenheit häufiger geschah. Ein internes Beschwerdemanagement soll zudem das Lösen von Streitfällen, insbesondere zu den genannten Punkten, erleichtern. „Die P2B-Verordnung ist ein guter Schritt“, findet Dr. Benner, dessen Holding mit Outfits24.de, Schuhe24.de und Sportmarken24.de selbst Plattformen betreibt. Mit ersterem Portal ist sie BTE KompetenzPartner und das aus gutem Grund: „Wir leisten mit Outfits24 einen Beitrag, damit nicht nur große Online-Plattformen gewinnen.“ 750 stationäre Modegeschäfte sind hier inzwischen angeschlossen.

 

Großer Wurf geplant

 

Die P2B-Verordnung gilt für Online-Vermittlungsdienste und -Suchmaschinen, über die gewerbliche Plattformnutzer Konsumenten Produkte anbieten. Auch die sozialen Netzwerke zählen dazu. Die EU arbeitet darüber hinaus an einem „Gesetz für digitale Dienste“, das Kommissionschefin Ursula von der Leyen zu einem Leuchtturmprojekt ihrer Amtszeit erklärt hat. Auch dieses soll die Marktmacht von Plattformkonzernen wie Google und Amazon beschränken. Insbesondere sollen europaweit einheitliche Spielregeln gelten und den Wildwuchs an E-Commerce-Vorschriften ablösen. Es soll eine Aufsichtsstruktur geschaffen werden, die die Einhaltung von rechtlichen Verpflichtungen überwacht. Dem Wettbewerbsrecht will man außerdem Instrumente an die Hand geben, um frühzeitig gegen marktdominante Strukturen vorzugehen.