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BTE-Präsident Steffen Jost zur aktuellen Situation

Der seit Anfang November geltende Lockdown light hat nach ersten BTE-Berechnungen dazu geführt, dass die Umsätze im November aufgrund wesentlich geringerer Kundenfrequenzen in den Einkaufsstraßen deutlich eingebrochen sind. BTE-Präsident Steffen Jost hofft, dass die Branche trotzdem nicht zu früh die Sale-Phase einläutet.

 

Der stationäre Fashionhandel ist die Handelsbranche, die am stärksten unter der Corona-Pandemie leidet. „Wir rechnen für den November mit einem Umsatzrückgang von bis zu 40 Prozent. Aktuell machen die meisten Geschäfte jeden Tag Verluste, da die Umsätze nicht mal die anfallenden Kosten decken“, so Jost.

 

Betriebswirtschaftlich ist das Jahr 2020 wohl nicht mehr zu retten. Bis auf wenige Ausnahmen werden viele Unternehmen tiefrote Zahlen schreiben. Dies wird dazu führen, dass nicht wenige Geschäfte im kommenden Jahr schließen müssen, weil sie die neue Ware und die laufenden Kosten nicht mehr zahlen können. Dieses Ladensterben wird sich dramatisch auf die Aufenthaltsqualität in den Innenstädten und Einkaufsstraßen auswirken. „Wenn die Politik solch ein Szenario verhindern will, brauchen wir massive direkte Hilfen“ fordert der BTE-Präsident.

 

Digitalisierung und Online-Verkauf sind dabei keinesfalls ein Allheilmittel. Denn ein Verkauf über Online-Plattformen wie Amazon oder Zalando kostet den Händler rund 20 Prozent vom Umsatz. „Da die durchschnittliche Umsatzrendite im mittelständischen Modehandel bei rund drei Prozent vom Umsatz liegt, ist dies für stationäre Multilabel-Händler keine wirkliche Option“, rechnet Jost vor. „Wir können bei insgesamt sinkenden Umsätzen nicht gleichzeitig die Kosten für den Betrieb eines stationären Geschäftes und die eines Online-Händlers stemmen.“

 

Für Jost würde das nur funktionieren, wenn die Geschäfte sowohl bei den Mieten als auch bei den Plattform-Gebühren massiv entlastet werden. Nötig ist hier ein deutliches Entgegenkommen von Vermietern und Plattform-Betreibern. Jost: „Die aktuelle Ankündigung von Zalando, zumindest bis zum ersten Quartal im Händler-Programm auf die Partner-Provision zu verzichten, ist da ein richtiger Schritt.“

 

Das gesamte BTE-Präsidium appelliert an die Branche, nicht zu früh mit der Reduzierung aktueller Herbst-Winter-Ware zu starten. Im Gegenteil: Angesichts der Tatsache, dass die laufende Saison später gestartet ist und Januar und Februar in der Regel die kältesten Wintermonate sind, sollte der Rotstift bis dahin nur mit Augenmaß eingesetzt werden.

 

Insbesondere der am 27. November stattfindende Black Friday sollte nicht als Auftakt in eine allgemeine Sale-Phase angesehen werden. Betriebswirtschaftlich sinnvoll seien allenfalls gezielte Angebote und Rabatte auf schlecht laufende Artikel oder Altware.

 

Alternativen sind zudem originelle Aktionen, wie einige Händler sie in den letzten Jahren erfolgreich durchgeführt haben. Mit Slogans wie ‚Happy Friday‘ oder ‚Better Friday‘ konnten die erhöhte Kundenfrequenz an diesem Tag zumindest zum Teil genutzt werden, ohne den Preis in den Vordergrund zu rücken.

 

Aktuell denken einige Modehändler speziell an kleinen und mittleren Standorten über (Gemeinschafts-)Aktionen am 26. November nach, um die örtliche Kunst-Szene oder Gastronomie zu unterstützen. Wenn man dabei noch die Lokalpresse mit ins Boot holt, bekommt man dafür in der Regel eine gute und preiswerte PR.