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Talkrunde Handel: „Wir glauben an unsere Standorte“

Wie gelingt der Spagat zwischen Krisenmanagement aufgrund sich ständig ändernder Corona-Bestimmungen und strategischer Planung für das nächste Jahr? Und wie kann das Weihnachtsgeschäft trotz Rabatteritis und Frequenzrückgang noch gerettet werden? Christian Klemp (Zinser, Tübingen), Theresa Weingarten (Köln) und Michael Maas (Bassum bei Bremen) gaben Einblicke in ihre Pläne und ihre Erwartungen für 2021.

 

„Auch wenn die neue qm-Regel aufgrund der geringen Frequenzen für uns voraussichtlich keine große Relevanz haben wird, ist sie ein weiteres negatives Signal für die Kunden. Das tut dem Einzelhandel nicht gut“, ärgerte sich Christian Klemp, Sprecher der Geschäftsführung bei Zinser, Tübingen. Gemeinsam mit Michael Maas, Modehaus Maas in Bassum und Theresa Weingarten, Modehaus Weingarten in Köln, nahm er an einer digitalen Talkrunde teil.

 

Die drei waren sich einig, dass es aktuell deshalb besonders darauf ankommt, den Kunden ein sicheres Gefühl zu vermitteln. „Wir kommunizieren derzeit über alle Kanäle mit unseren Kunden, um sie zu uns zu locken. Dabei steht nicht der Preis im Vordergrund, sondern Emotionalität. Wir haben einen Weihnachtsmarkt im Haus aufgebaut und hoffen auf mehr Frequenz in der Adventszeit. Außerdem haben wir in der Nähe unseres Hauses einen Pop-up-Store eröffnet, in dem einige Aussteller des abgesagten Weihnachtsmarktes ihre Produkte präsentieren können. Wir müssen an unserem Standort selbst für Frequenz sorgen, wenn es keinen Weihnachtsmarkt gibt und die Gastronomie geschlossen ist“, so Michael Maas.

 

Auch bei Zinser geht es in der Kundenkommunikation vor allem darum, die Hemmschwelle der Kunden zu senken und ihnen Gründe zu geben, in die Filialen zu kommen. „Wir haben zum Glück einen hohen Stammkundenanteil und eine enge Beziehung zu unseren Kunden. Wir bieten persönliche Beratungstermine an, die teilweise auch außerhalb der Öffnungszeiten stattfinden. Das kommt gut an“, so Christian Klemp.

 

Den Kölner Modefilialisten Weingarten hat die Corona-Krise aufgrund seiner Sortimentsschwerpunkte Anlassmode und Plus Size sowie des Standorts in einer Großstadt schwer getroffen. Einen Teil des Umsatzverlustes konnte durch den Online-Shop aufgefangen werden, der bereits seit einigen Jahren betrieben wird. „Unsere Onlineshops haben sich sehr positiv entwickelt und wir haben gelernt, dass die Onlinekunden genauso wichtig sind, wie die stationären Kunden. Das war auch für unsere Mitarbeiter ein wichtiges Learning. Als hilfreiches Tool hat sich zudem unsere App erwiesen, über die wir den Kontakt zu den Kunden halten“, so Juniorchefin Theresa Weingarten.

 

Bei Zinser wurde der fürs nächste Jahr geplante Launch des eigenen Web-Shops coronabedingt vorgezogen. Seit Mitte November ist er online. „Wir glauben ganz fest an unsere Standorte in den Innenstädten. Wenn die Corona-Krise vorbei ist, kommen die Kunden wieder gerne zum Shoppen. Menschen brauchen Erlebnisse. Trotzdem wird es genauso wichtig sein, auch online präsent zu sein. Wir brauchen alle Kanäle und Medien, um Kontakt zu halten und die Distanz zu überwinden.“ Auf Plattformen wird Zinser allerdings nicht zu finden sein, wie Klemp betont. „Wir möchten den Kundenkontakt nicht aus den Händen geben.“