· 

Talkrunde Innenstadt: Die Zukunft der Shoppingmeilen

Die Coronakrise hat die Probleme der Innenstädte offengelegt und deutlich gemacht, wie wichtig attraktive gastronomische Konzepte für die Anziehungskraft der Cities sind. Nur durch gemeinsames Handeln aller Innenstadtakteure kann es gelingen, ein weiteres Downtrading zu verhindern. Dabei waren sich die Talkgäste einig, dass die Spuren der aktuellen Krise erst im nächsten Jahr sichtbar werden und der Handlungsbedarf mehr als dringend ist. Es sei allerdings nicht zu erwarten, dass die Mieten in den Top-Lagen schnell sinken.

 

Insbesondere in Groß- und Mittelzentren leiden die Fußgängerzonen unter Uniformität mit einem austauschbaren Mix an Filialisten verschiedener Branchen, Fastfood-Anbietern und Systemgastronomie, bemängelte Barbara Possinke, Geschäftsführerin von RKW Architektur. „Lebensqualität entsteht durch Individualität und Vielfältigkeit. Wünschenswert wäre eine Durchmischung, zu der dann auch kleine Handwerksbetriebe, Büros, Sportangebote, kulturelle Locations und kreative gastronomische Konzepte gehören.“

 

Ähnlich sieht es auch Manuel Jahn, Head of Business bei Habona Invest: „Die Kunden haben die Innenstädte sukzessive verlassen oder wurden vertrieben. Im nächsten Jahr werden noch so einige hässliche Ecken entstehen. Vielerorts gibt es überhaupt keinen Masterplan für die City. Corona war für viele ein erschreckender Weckruf.“ Der Immobilienexperte erwartet allerdings nicht, dass sich die Mieten schnell nach unten bewegen werden. „Das wartet jeder erst einmal ab und beobachtet die Wettbewerber. Nach dem Motto: Wer sich zuerst bewegt, hat verloren.“

 

Von der Veränderung der Kundenströme, die durch Corona noch beschleunigt wurde, haben kleinere bis mittlere Städte sowie Stadtteilzentren in größeren Städten profitiert. Aber auch Fachmarktzentren in Stadtrandlagen gehören zu den Gewinnern der Coronakrise, weil sie den Kunden One-Stop-Shopping bieten und mit dem Auto gut angefahren werden können.

 

Die Erreichbarkeit der Innenstadtstandorte mit dem Auto ist deshalb für Modehändler wie Franz Bernhard Wagener, Inhaber des gleichnamigen Modehauses in Baden-Baden sowie für Peter Cohrs, Inhaber CJ Schmidt in Husum, ein zentraler Erfolgsfaktor. Außerdem hänge die Aufenthaltsqualität eines Standorts entscheidend von der Gastronomie ab, das würde der derzeitige Lockdown, der alles andere als light sei, zeigen, so Peter Cohrs: „Letztlich kommt es auf das Zusammenspiel von Handel, Gastronomie, kulturellen Angeboten und einer attraktiven Architektur an. Deshalb ist es umso wichtiger, dass sich ein Standort auch als eine Marke vermarktet. Ich würde mir z.B. eine zentrale Husum-App wünschen, die die Besucher als zentrale Plattform mit allen Informationen zur Destination Husum versorgt.“

 

Franz Peter Wagener, der an seinem Standort Baden-Baden neben seinem Modehaus auch ein Hotel sowie ein innerstädtisches Einkaufscenter betreibt, weiß aus eigener Erfahrung wie schwer es ist, einen Konsens unter den Innenstadtakteuren zu erreichen. „Ich habe in all den Jahren meine Illusionen verloren. Wir schaffen es ja noch nicht einmal, uns innerhalb der Händlergemeinschaft auf ein gemeinsames Vorgehen zu einigen. Einzelhändler handeln einzeln – daran hat sich leider noch immer nicht viel geändert.“