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„Weihnachtsaktion“ der Textil-, Schuh- und Lederwarenhändler: Geschenke für Abgeordnete

Viele Textil-, Schuh- und Lederwarenhändler richten aktuell einen eindringlichen Appell direkt an ihre/n Landtags- und Bundestagsabgeordneten vor Ort. Mit einem Modeartikel (z.B. Schal) aus der aktuellen Winterkollektion als Geschenk an die/den Abgeordnete/n, der nun wegen des Lockdowns nicht verkauft werden kann, appellieren sie an die Verantwortung der Politik für den gesamten Mode- und Innenstadthandel. In einem Begleitbrief machen sie dabei mit Fakten und Argumenten auf die brisante Lage des Unternehmens und einer gesamten Branche aufmerksam.

 

Diese persönliche Aktion wird von den Branchenverbände Textil (BTE), Schuhe (BDSE) und Lederwaren (BLE) begleitet und durch die regionalen Handelsverbände unterstützt. Hinweise:

  • Die Adressen der lokalen Abgeordneten findet man unter https://www.abgeordnetenwatch.de.
  • Für interessierte Händler haben BTE, BDSE und BLE nachfolgendes Musterschreiben für einen beizulegenden Brief formuliert, das individuell angepasst werden kann:

Ihr Weihnachtspräsent von Unternehmen xy

 

Anrede,

 

den beiliegenden Schal (oder anderes Modeprodukt) hätten wir gerne vor Weihnachten an unsere Kunden im Geschäft verkauft. Leider ist uns diese Möglichkeit aufgrund des kurzfristig angesetzten Shutdowns verwehrt. Und es ist ebenso sehr fraglich, ob wir ab 10. Januar wieder unser Geschäft öffnen dürfen und wir den Schal (oder anderes Modeprodukt) dann bis Saisonende überhaupt noch verkaufen können.

 

Die Folge des Shutdowns sind unverkäufliche Waren in einem Umfang, die unsere Existenz massiv bedroht. Bereits im Frühjahr konnten wir ein Großteil der Ware nicht verkaufen. Eine Wiederholung in dieser Saison ist existenzbedrohend. Laufende Fixkosten und ausbleibende Umsätze bringen das Fass zum überlaufen. Ein Ausweichen auf den Online-Verkauf kann kurzfristig das Problem nicht lösen!

 

Nach Berechnungen der Handelsverbände Textil (BTE), Schuhe (BDSE) und Lederwaren (BLE) wird der ohnehin bereits im gesamtem Jahr 2020 arg gebeutelte Fashionhandel nunmehr nochmals rund 6 Mrd. Euro an Umsatz verlieren. Weitere Berechnungen der drei Handelsverbände ergeben, dass sich bis zum voraussichtlichen Schließungsende am 10. Januar nächsten Jahres ein riesiger Berg von 300 Mio. Teile unverkaufter Modeartikel auftürmen wird. Erschwerend hinzu kommt, dass die Läger des Modehandels bereits mit unverkaufter Frühjahrsware gefüllt sind.

 

Wir fordern deshalb dringlich eine Gleichbehandlung der Unterstützung unserer Branche analog zur Gastronomie. Für den Monat Dezember kann es unter Anwendung der derzeitigen Bedingungen u.E. gar nicht anders sein, als dass der direkt betroffene Modeeinzelhandel zu 70 bzw. 75% seines Umsatzausfalls zu entschädigen ist. Hier muss der Maxime gefolgt werden, gleiche Sachverhalte auch gleich zu behandeln!

 

Für die Schließungstage im Januar muss die Überbrückungshilfe III für unsere Branche deutlich nachgeschärft werden bzw. ein Sonderprogramm aufgelegt werden. Für eine Wirtschaftshilfe für den Einzelhandel schlagen wir bundesweit ab Januar ein „Fixkostenmodell auf Basis des Rohertrags“ vor. Um die Unternehmen in der Zeit eines möglichen Lockdowns zu unterstützen, könnte die pauschale Erstattung der Fixkosten auf Basis des Rohertrags ein wirksames und verhältnismäßiges Mittel sein.

 

Der Rohertrag ist die Differenz zwischen Umsatzerlösen und Wareneinsatz. Aus dem Rohertrag muss der Modehandel die gesamten sonstigen Aufwendungen neben dem Wareneinsatz leisten. Die Rohertragsquote als Anteil des Rohertrags am Umsatz liegt im Nonfood-Einzelhandel zwischen 35 und 45 Prozent. Der stationäre Modehandel liegt an der oberen Grenze dieser Spannweite. Diesen Rohertrag benötigen die Geschäfte, um ihre Kosten decken zu können. Bringt man einen durchschnittlichen Gewinn „zum Abzug“, könnte ein Lockdown-Ausgleich von mindestens 30, realistischerweise aber eher 40 Prozent des Umsatzes des Vorjahres eine sinnvolle Größenordnung sein. Der Vorteil einer solchen pauschalen Erstattung liegt in der vergleichsweise unkomplizierten Handhabung auf Basis der Vorjahresdaten der Umsatzsteuermeldungen.

 

Die Politik kann und darf nicht weiter die Augen vor diesen existentiellen Problemen des Modehandels verschließen und muss die Branche mit direkten und angemessenen Hilfen in der Krise unterstützen. Bitte machen Sie Ihren Einfluss für den Modehandel und damit für die Innenstädte geltend.

 

Wir wünschen Ihnen schöne Festtage und freuen uns auf Ihre Antwort.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

xy

 

PS: Sollte Ihnen der Schal (oder anderes Modeprodukt) nicht gefallen oder passen, tauschen wir diesen als Fachgeschäft natürlich gerne um. Falls Sie unser Geschenk nicht annehmen können bzw. wollen, stellen wir Ihnen selbstverständlich frei, dieses nach eigenem Ermessen z.B. an einen Wohlfahrtsverband zu spenden. Wir möchten in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass wir als Unternehmen auf Sachspenden unverständlicherweise immer noch Umsatzsteuer entrichten müssen!