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Alain Caparros: „Der Bereinigungsprozess in der Branche steht noch aus“

„Wir müssen uns warm anziehen“ – der neue CEO von C&A weiß, dass es eine Mammutaufgabe ist, aus dem Tanker C&A ein wendiges und agiles Schiff zu machen und zu erreichen, dass der Filialist sich im Markt langfristig erfolgreich positionieren kann. Ein Ansatzpunkt ist für ihn die Ergänzung des Eigenlabel-Sortiments mit Fremdmarken, um die Begehrlichkeit für die Kunden zu erhöhen.

 

„Stationär hat Zukunft – aber anders als bisher“, dieser Überzeugung ist Alain Caparros, der seit August 2017 CEO von C&A ist und sich als Neuling im Fashionbereich noch eine Außensicht auf die Branchen bewahrt hat. Den ungewöhnlichen warmen und trockenen Sommer bezeichnet er als hilfreiche Schocktherapie: „Spätestens jetzt hat jeder verstanden, dass es so nicht mehr geht. Wir müssen uns den Herausforderungen, die durch Klimawandel, Digitalisierung, verändertem Konsumentenverhalten und der Polarisierung des Marktes zwischen Discount und Luxus definiert sind, stellen.“ Oberstes Ziel ist für ihn, die Marke C&A zu modernisieren und ihr eine eindeutige Identität zu geben. „Im Moment ist sie nicht Fisch, nicht Fleisch“, so der Franzose. „Wir müssen erreichen, dass die Leute nicht nur zu uns kommen, um ihren Bedarf zu decken. Das reicht nicht, um zu überleben.“

 

Erste Veränderungen, die das Team um Caparros eingeleitet haben, werden langsam sichtbar. Dazu gehört die Ergänzung des Eigenmarkensortiments um Marken wie Mustang, preisaggressive, vergleichende Werbung und die Einrichtung von Butlers-Flächen, um die Frequenz in den Filialen in der Vorweihnachtssaison zu erhöhen. Weitere Kooperationen wie z.B. mit Gastronomieanbietern würden zurzeit geprüft. Außerdem stehen, so Caparros weiter, die Verbesserung der Onlinepräsenz sowie die Verschmelzung der Offline- mit der Online-Welt von C&A ganz oben auf der Agenda.

 

Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in der Modebranche sparte der für seine Offenheit bekannt Franzose nicht mit Kritik an derselben. Seiner Meinung nach wurde zu wenig unternommen, um zu verhindern, dass preisaggressive Filialisten wie Primark und branchenfremde Discounter wie Aldi sich im Fashionbereich erhebliche Marktanteile erkämpfen konnten. „Worüber haben Sie diskutiert, als sich die Billiganbieter im Markt breitgemacht haben. Wurde die Gefahr unterschätzt? Und mit welchen Strategien begegnet die Modebranche den Online-Giganten?“, fragte er die anwesenden Branchenvertreter – wohlwissend, dass dies auch Fragen sind, auf die er als neuer C&A-Chef Antworten finden muss.