Bekleidungsindustrie: Lieferverzögerungen wegen Corona erwartet

China ist als wichtigstes Importland der deutschen Bekleidungsindustrie kurzfristig nicht zu ersetzen. Aufgrund der Corona-Epidemie kann es deshalb für die Herbst-Winter-Saison zu Beschaffungsengpässen kommen. Diese Einschätzung äußerten die Mitglieder des Modeverbands German Fashion in einer Blitzumfrage.

 

Dabei stand die Beschaffungssituation der Industrie im Fokus. Aufgrund der Corona-Epidemie und den damit verbundenen Reiseverboten und Quarantänemaßnahmen in China konnten und können viele Betriebe nicht wie geplant produzieren. Dies wird sich insbesondere auf die Lieferzeiten für die Herbst-Winter-Saison 2020/21 auswirken. Die Hälfte der Umfrageteilnehmer erwarten, dass es zu Verzögerungen von ein bis zwei Monaten kommen wird. 27 Prozent gehen davon aus, dass es keine Lieferverzögerungen geben wird. 

Sehr uneinheitlich sind die Einschätzungen der Bekleidungsunternehmen bezüglich eventueller Stornierungen ihres bei den Zulieferunternehmen georderten Volumens für die Herbst-Winter-Saison 20/21: Während 50 Prozent davon ausgehen, dass es keine Stornierungen geben wird, erwarten 31 Prozent Stornierungen von bis zu zehn Prozent. 18 Prozent können die Situation derzeit gar nicht einschätzen.

  

Da der Wholesale-Bereich mit einem Anteil von 49 Prozent der wichtigste Absatzkanal ist, werden die Handelspartner von Ausfällen und verspäteten Lieferungen am stärksten betroffen sein.

 

Mit einem Anteil von 24 Prozent ist China mit Abstand das wichtigste Importland der deutschen Bekleidungsindustrie vor Bangladesh (16 Prozent), Türkei (9,4 Prozent) und Italien (4,7 Prozent). Diese Sourcingstruktur ist laut German Fashion kurzfristig kaum zu ändern. Mittel- bis langfristig denken die deutschen Hersteller aber sehr wohl über eine Verlagerung auf andere Märkte nach: „Dabei geht es auch um eine stärkere Verlagerung der Produktion nach Europa. Ziel ist es, die hochentwickelte Supply Chain unempfindlicher gegen Störungen wie die aktuelle Corona-Krise zu machen“, so German Fashion Geschäftsführer Thomas Lange.