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Branchenprognosen: Insolvenzwelle erwartet

Laut einer Analyse des Kreditversicherers Euler Hermes dürften die Umsätze der europäischen Textil- und Bekleidungsindustrie im Jahr 2020 im Zuge der Covid-19-Pandemie um voraussichtlich 19 Prozent einbrechen. Und in einer Umfrage des ifo-Instituts sehen 15 Prozent der deutschen Bekleidungshersteller ihre Existenz gefährdet.

 

Nicht alle werden es schaffen, prognostiziert auch Euler Hermes und hält 13.000 Unternehmen der europäischen Textil- und Bekleidungsindustrie sowie 158.000 Arbeitsplätze für gefährdet. Das entspreche acht Prozent der Gesamtbeschäftigung in der Industrie und sechs Prozent der Unternehmen. „Wir gehen aber davon aus, dass sich der Umsatz der Branche im Jahr 2021 wieder erholt und um etwa 15 Prozent zulegt“, sagt Aurélien Duthoit, Branchenexperte bei der Euler Hermes Gruppe.

Er schränkt aber ein: „An das Vorkrisen-Niveau dürften die Umsätze aber wohl nicht vor 2023 anknüpfen – vorausgesetzt, dass es zu keiner zweiten Welle kommt, sich die Situation mit Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen allmählich normalisiert und die Wirtschaft weiterhin finanziell und wirtschaftlich erheblich unterstützt wird.“

 

Deutschland kommt wohl vergleichsweise gut davon

 

In Deutschland dürften die Umsatzeinbußen mit minus 12 Prozent im Jahr 2020 geringer ausfallen als beispielsweise in Italien (minus 22 Prozent) oder Frankreich (minus 17 Prozent), so Euler Hermes. Nichtsdestotrotz wird sich die Zahl der Insolvenz- und Schutzschirmverfahren in den kommenden Monaten wahrscheinlich auch hierzulande deutlich erhöhen. Schon jetzt gibt es mit dem Hamburger Modekonzern Tom Tailor, dem Männermode-Spezialisten Benvenuto oder Hosenanbieter Fritz Hiltl prominente Beispiele.

 

 Vom Einzelhandel einmal ganz abgesehen, bei dem die Krise längst ihren Tribut gefordert hat. Branchenübergreifend sehen hier dem ifo-Institut zufolge 21 Prozent der Unternehmen ihren Fortbestand bedroht. Doch auch gute Nachrichten gibt es: Der ifo Geschäftsklimaindex verzeichnete zwischen Mai und Juni den stärksten jemals gemessenen Anstieg. Euler Hermes sieht die Zukunftschancen – wie viele andere – in einer grüneren und digitaleren Wirtschaft, inklusive Abkehr vom schnellen Konsum und Fast Fashion.