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Carsten Keller, Zalando: „Digitalisierung braucht Größe“

Auch bei Zalando hat der diesjährige „Endless Summer“ auf Umsatz und Ertrag gedrückt. Außerdem plagen die Berliner kostenintensive Probleme im Retourenmanagement. Zukünftig soll der Umsatz noch stärker über Plattformaktivitäten gepusht werden, wie Vorstand Carsten Keller ausführte. Er warb für die Zusammenarbeit zwischen dem Fashion-Handel und dem Online-Pure-Player.

 

Für Dr. Carsten Keller ist die stärkere Kooperation zwischen stationären Geschäften und Zalando eine Win-Win-Win-Situation. Die Kunden hätten eine größere Auswahl und bekämen schneller die gewünschte Ware, für den Handel würde die Kooperation Umsatz und Kundenfrequenz pushen, und Zalando kann seinen Kunden eine bessere Warenverfügbarkeit bieten, schneller ausliefern und dadurch seine Marktposition weiter ausbauen. Außerdem hätten die Händler einen kostengünstigen Zugang zum Onlinevertrieb: „Digitalisierung braucht Größe. Für kleinere Geschäfte ist es schwer, die Reichweite und Relevanz zu erreichen, die man braucht, um sich online gegen den Wettbewerb zu behaupten.“

 

Sein Modell vom „connected retail“ sieht folgendermaßen aus: Zalando reicht Bestellungen, die aus dem eigenen Warenbestand nicht erfüllt werden können, an die Kooperationspartner weiter, die in der Nähe des Bestellers ihr Geschäft haben. Die Kunden haben dann die Wahl, ob sie ihre Bestellung vom Händler zugeschickt bekommen (Ship-from-Store) oder ob sie sich die Ware lieber dort abholen möchten (Click & Collect). Letzteres würde für den Handel die Chance bieten, Zusatzverkäufe zu tätigen und neue Kunden zu gewinnen. Für die Vermittlung des Geschäfts verlangt Zalando von seinem Kooperationspartner dann eine Vermittlungsgebühr von ca. 15 Prozent.

 

Dabei läge die Preishoheit beim Händler, betont Keller. Ende des Jahres soll die Anzahl der Kooperationspartner bei etwa 600 liegen. Dazu gehören sowohl Mono-Brand-Stores wie auch Multilabel-Geschäfte. Das gesamte Potenzial schätzt er auf mehrere Tausend POS.