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Eco & Fair Fashion: Wie wichtig ist Nachhaltigkeit als Verkaufsargument?

Viele Kunden sind beim Thema Nachhaltigkeit unsicher. Sie kennen die Siegel oft nicht und wissen nicht, woran sie nachhaltige Artikel erkennen können. Mit entsprechenden Informations- und Marketingmaßnahmen kann und sollte der Handel die Nachfrage nach Eco & Fair Fashion Labels pushen.

 

Viele Konsumenten sind bei der Auswahl ökologisch und sozial fair gefertigter Kleidungsstücke überfordert. Dies ist ein zentrales Ergebnis einer Kundenbefragung mit 2.000 Teilnehmern, die die DHBW Heilbronn unter der Leitung von Prof. Dr. Oliver Janz (im Foto oben) durchgeführt hat. Für neun Prozent der befragten Kunden gehört Nachhaltigkeit zu den drei wichtigsten Entscheidungskriterien beim Kauf neuer Kleidungsstücke.

Insbesondere jüngere Konsumenten, Frauen und Besserverdienende gaben an, auf Nachhaltigkeit zu achten und künftig häufiger nachhaltig produzierte Mode zu kaufen.

 

Um dieses Potenzial abzuschöpfen, sei es wichtig, so die Empfehlung von Prof. Janz, dass die Kunden bei der Suche nach entsprechenden Kleidungsstücken besser unterstützt werden. Viele Befragte gaben an, dass sie den Angaben der Hersteller bezgl. der nachhaltigen Produktion nicht trauen und die Siegel nicht kennen, sodass sie die tatsächliche Nachhaltigkeit nicht beurteilen können. Zusätzlich fühlen sie sich auch von den Modehändlern nicht ausreichend informiert.

 

Letzteres sei ein wichtiger Ansatzpunkt für den stationären Modehandel: „Mit entsprechender Beratungskompetenz, Informationsveranstaltungen, Pop-up-Flächen und Events rund um das Thema Nachhaltigkeit können die Kunden zum Kauf entsprechender Label animiert werden“, ist sich Prof. Janz sicher.

 

Seine Empfehlungen: 

1. Praxisbeispiel zum Thema Nachhaltigkeit: Mode Hempel, Wolfsburg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dr. Annette Hempel

Dank des Engagements von Dr. Annette Hempel gehörte das Wolfsburger Modehaus Hempel mit zu den ersten konventionellen Modehändlern in Deutschland, die sich das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahne geschrieben haben. Im letzten Jahr feierte das Projekt ‚Style Plus‘ zehnjähriges Jubiläum. Seit dieser Zeit werden gezielt Eco & Fair Fashion-Labels in das Sortiment der Hempels integriert. Alle Artikel werden mit einem eigenen Style Plus-Hangtag versehen, so dass die Kunden die Artikel identifizieren können. Sie werden sowohl in die konventionellen Stilwelten integriert als auch auf eigenen Flächen inszeniert.

  

Aktuell gibt es sowohl in der Womenswear als auch in der Menswear acht bis zehn Labels, die die Style Plus-Voraussetzungen erfüllen. Um das Thema sowohl für die Kunden als auch für die Mitarbeiter transparenter zu machen, würde sich Annette Hempel mehr Informationen von Seiten der Marken wünschen. Etwa in Form eines QR-Codes, mit dem nähere Informationen über den Nachhaltigkeitsaspekt zur Verfügung gestellt werden. „Das Thema ist hochkomplex und hat viel mit Glaubwürdigkeit und Transparenz zu tun. Wir könnten interessantere Stories erzählen, wenn wir selbst mehr Insights hätten.“

 

Der Umsatzanteil der Style Plus-Labels bewegt sich im einstelligen Prozentsatz. Annette Hempel hofft, dass der Anteil weiter steigt. „Für mich ist das Thema sehr wichtig, da es unserer Branche ein Stück Sinn zurückgibt und auf jeden Fall auf die Dachmarke unseres Hauses einzahlt.“

2. Praxisbeispiel Nachhaltigkeit: Modeerlebnis Ebbers, Warendorf

Christoph Berger, Modeerlebnis Ebbers

Kurz vor dem Lockdown hatte das Modehaus Ebbers sein Pop-up-Projekt „Grün erleben“ gestartet. In allen Abteilungen des Hauses gab es kleine Pop-up-Flächen, auf denen Eco & Fair Fashion-Labels der jeweiligen Segmente inszeniert und die Kunden über das Thema Nachhaltigkeit informiert wurden. „Ein abschließendes Fazit lässt sich leider nicht ziehen, da wir schon bald nach Aktionsstart unser Haus schließen mussten. Aber die erste Resonanz der Kunden war sehr positiv. Sie zeigten sich sehr interessiert. Wir werden das Thema auf jeden Fall weiter bespielen“, so Inhaber Christoph Berger.

 

Für ihn ist das Thema Nachhaltigkeit Teil eines übergeordneten CSR-Ansatzes, mit dem das Unternehmen seine Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft betont. Weitere CSR-Themen, die bereits erfolgreich umgesetzt wurden, sind Energieeffizienz, der wertschätzende Umgang mit den Mitarbeitern sowie die Unterstützung wohltätiger Organisationen und gemeinnütziger Projekte. Jüngst wurde Modeerlebnis Ebbers als „CSR-Botschafter Münsterland“ ausgezeichnet.