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Influencer: Authentizität schlägt Reichweite

Immer mehr Unternehmen setzen beim Social Media Marketing auf Micro-Influencer mit weniger als 10.000 Followern. Authentizität, Glaubwürdigkeit und Interaktion werden höher bewertet als die Reichweite der großen Stars auf Instagram & Co.

 

Einer Umfrage des Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) zufolge, wollen über 60 Prozent der werbungtreibenden Unternehmen im laufenden Jahr verstärkt auf Nischen-Influencer setzen, deren Kompetenz für bestimmte Themen bei der angestrebten Zielgruppe anerkannt ist oder die einen hohen Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad im relevanten Einzugsgebiet haben. So kann davon ausgegangen werden, dass das Interesse der Follower an den Posts und damit die Qualität der erzielten Kontakte höher ist. 

 

Influencer sind mittlerweile im Alltag von vielen Deutschen durchgängig präsent. 26 Prozent haben täglich oder mehrmals täglich Kontakt zu ihnen. 20 Prozent der vom BVDW befragten Verbraucher haben schon mal Produkte gekauft, weil sie von Influencer beworben wurden. 40 Prozent stört Werbung nicht, sofern sie als solche gekennzeichnet ist. Generell gilt: Je jünger die Follower sind, desto weniger stören sie sich an Werbung. Und: Frauen lassen sich leichter zum Kauf verleiten als Männer.

 

Als generelle Vorteile des Influencer-Marketings gegenüber klassischem Online-Marketing werden Authentizität, Verbesserung der Kommunikation mit einer bestimmten Zielgruppe und die Generierung von Content genannt. Als Herausforderungen werden Messbarkeit und Zuverlässigkeit der Influencer sowie die Qualitätssicherung und Steuerbarkeit genannt. „Die Unternehmen müssen sich mehr darauf einlassen, ihre Influencer-Marketing-Kampagnen nicht vollständig kontrollieren und steuern zu können. Sie profitieren im Gegenzug davon, ihre Marke authentisch aufladen und mit den Kunden direkt kommunizieren zu können“, resümiert Anke Herbener, Lableiterin Influencer Marketing im BVDW. 

Angesichts der kürzlich erfolgten teils widersprüchlichen Gerichtsurteile bzgl. der Kennzeichnungspflicht von Werbung oder Produktplatzierungen in Posts wird vom BVDW gefordert, dass es einheitliche und praxisnahe Leitlinien geben muss. Dabei warnen die Experten vor pauschalen und übertriebenen Kennzeichnungen, da dann für die Follower nicht mehr erkennbar sei, was tatsächlich Werbung ist und was nicht. „Wenn also ein Influencer Geld oder eine Gegenleistung für eine vereinbarte Leistung wie Posten oder Taggen erhält, dann besteht die Pflicht, den Beitrag als werblich zu kennzeichnen“, sagt Herbener, „Influencer müssen aber eben auch privat sein dürfen.“