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Steffen Jost, BTE-Präsident: „Wir sägen an dem Ast, auf dem wir sitzen“

Im Podiumsgespräch mit Jens Herzig, dem Vertriebschef von Comma, forderte der BTE-Präsident die Lieferanten auf, die Wareneinsteuerung weiter zu optimieren. „Über Ready-to-wear wird viel geredet, aber es wird zu wenig davon umgesetzt. Der Warendruck ist weiterhin viel zu hoch.“ Außerdem kritisierte Steffen Jost die anhaltende Rabatteritis in der Branche.

 

Wie kann es gelingen, dass die Branche weniger wetterabhängig ist? Der ungewöhnlich lange und warme Sommer in diesem Jahr hat die Probleme in Sachen Wareneinsteuerung erneut drastisch verdeutlicht. Darin waren sich Steffen Jost, der mehrere Modehäuser in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg betreibt, und Jens Herzig in ihrer Talkrunde mit TW-Chefredakteur Michael Werner einig. „Die Industrie kommt nicht umhin“, so Herzig, „sämtliche Beschaffungsprozesse zu überprüfen, um schneller und flexibler zu werden. Allerdings brauchen wir dann auch mehr Vertrauen von unseren Handelspartnern, damit nicht das gesamte Warenrisiko bei uns liegt.“ Für ihn geht am Modell der Vertikalisierung kein Weg vorbei. „Industrie und Handel müssen zusammenrücken, um das Problem in den Griff zu kriegen.“

 

Für Steffen Jost ist der Einfluss der Industrie auf die Verkaufsflächen im Handel schon jetzt immens hoch. Seiner Meinung ist dies u.a. ein Grund dafür, dass nach wie vor viel zu viel Ware zum falschen Zeitpunkt auf die Flächen kommt, wodurch der Warendruck erhöht und die Rabatteritis angeheizt wird. „Für mich kommen aktuell die Basics kaufmännischen Denkens zu kurz. Wir müssen wieder ans Verdienen denken und mehr Rendite pro Artikel erzielen, sonst sägen wir weiter an dem Ast, auf dem wir sitzen.“ Unabhängig von den diesjährigen Wetterkapriolen, die den Warendruck noch zusätzlich verschärft haben, sei die Zeitspanne, in der die Ware regulär verkauft werden kann, inzwischen viel zu kurz. „Irgendjemand schwingt bei uns in der Branche immer den Rotstift und beschädigt das Preisvertrauen der Verbraucher. Wenn wir nicht endlich alle zusammen zur Vernunft kommen, schaffen wir uns selbst ab.“