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DMI: Die wichtigsten Thesen für das Modejahr 2022

Welche Themen prägen die Mode im aktuellen Jahr? Hat die Corona-Pandemie Spuren im Modestil hinterlassen? Und im Modekonsum? Was ist anders als vorher? Das Deutsche Mode Institut hat elf Thesen für 2022 aufgestellt, in denen Farben, Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Komfort und auch Sexyness eine Rolle spielen.

 

1. Es gibt kein Zurück!

 

Mode nach der Pandemie ist wie Autofahren in Paris: Wer in den Rückspiegel schaut, hat schon verloren. Wir werden nicht da weitermachen, wo wir aufgehört haben. Wer gerade darauf wartet, dass alles wieder wie früher wird, kann lange warten. Es wird nie wieder normal. Es wird new normal.

 

2. Greensumption bleibt, Minimalismus kommt

 

Bisher ging es bei nachhaltiger Mode nur um eine nachhaltige Qualität von Kleidung. Jetzt geht es auch um eine nachhaltige Quantität an Kleidung. Die Frage ist nicht mehr nur, welche Kleidung wir haben wollen, sondern auch, wie viel Kleidung wir haben sollten.

 

3. Digitalisierung – Kleidung anfassen? Ok Boomer

 

Stoffeinkäufer sourcen im Netz, Designer entwerfen ohne physische Prototypen, Marken zeigen ihre Kollektionen als Film, Einkäufer ordern anhand von digitalen Lookbooks, Verbraucher shoppen online und präsentieren sich mit ihren Einkäufen auf Social Media… Angesichts all dieser Entwicklungen stur weiterhin zu behaupten, dass man Kleidung anfassen müsse, ist ungefähr so hilfreich, wie bei jeder Gelegenheit zu erwähnen, dass eine Kugel Eis früher zehn Pfennig gekostet hat.

 

4. Silicon Valley beats Wall Street

 

Die Kleidung, die wir im Beruf tragen, hat sich noch radikaler verändert als die Kleidung, die wir in unserer Freizeit tragen. Remote Working bleibt, und damit der Home-Office-Look. Dresscodes sind ein Kündigungsgrund. Anzug kann, nichts muss. Dress for Success bedeutet nicht mehr: der Wall Street Look. Dress for Success bedeutet jetzt: der Silicon Valley Look.

 

5. From dressing to look good to dressing to feel good

 

Die Geschichte lehrt uns, dass Menschen eine einmal eroberte Bequemlichkeit nie wieder aufgeben. Für die Frauen im 19. Jahrhundert gab’s vom Reformkleid kein zurück ins Korsett. Für uns gibt es nach einem Jahr Homewear kein Zurück zu unbequemer Kleidung und harten Schuhen. In Kleidung, in der man gut aussieht, fühlt man sich wohl. Ganz besonders gut sieht man aber in Kleidung aus, in der man sich wohlfühlt.

 

6. Jersey ist das Material der Zukunft

 

Aus Jersey kann man nicht nur T-Shirts und Sweatshirts machen. Wir kennen bereits Hemden, die sich wie T-Shirts tragen (Poloshirt), und Blazer, die sich wie Strickjacken tragen (Sweater+Jacket = Sweacket). Davon wollen wir mehr. Viel mehr: Jersey-Hosen, Jersey-Hemden, Jersey-Blusen, Jersey-Anzüge, Jersey-Mäntel, Jersey alles…

 

7. Ein klares „Jein“ zur Jogginghose

 

Ein klares „Ja“ zu eleganten Jogginghosen und Leggings in der Öffentlichkeit. Ein klares „Nein“ zu der Lieblings-Binge-Watch-Hose in der Öffentlichkeit. (Ja, es gibt „elegante Jogginghose“. Nein, der Ausdruck „elegante Leggings“ ist kein Widerspruch in sich.)

 

8. Röcke, so kurz wie das Leben

 

Die Pandemie hat uns mehr als ein Jahr gestohlen. Dadurch ist uns bewusst geworden, dass das Leben kurz ist. Jetzt wollen wir unsere Zeit nutzen und unsere Körper genießen. Nach Kontaktbeschränkung und 1,50 m Abstand ist der Nachholbedarf nach Körperlichkeit so groß, dass wir auch bei den Signalen, die wir mit unserer Kleidung aussenden, nicht lange um den heißen Brei herumreden, sondern gleich zu Sache kommen – unbändige Lust auf Kleidung, die politisch unkorrekt sexy ist.

 

9. Entweder Slides oder Skyscraper Heels

 

Nichts dazwischen. Mittelhohe Pumps sind uninteressant. Die Pandemie hat uns auch modisch polarisiert. Unsere Kleidung ist nicht mehr „von bis“, sondern nur noch „entweder oder“. Entweder echt entspannt oder echt aufregend. Einkehr oder Ausgehen. Entweder konsequent Alltag oder konsequent Anlass. Tag oder Nacht. Radikal bequem oder radikal sexy.

 

10. Glücklich ist das neue cool

 

Dopamine Dressing – Kleidung dient mehr denn je als Seelenpflaster und als Stimmungsaufheller. Lieber farbenfrohe Stoffe als schwarzes Leder. Lieber Blumendrucke als Totenköpfe. Lieber rosa Brille als sunglasses at night. Lieber befreiendes Lachen als Duckface.

 

11. Farbtherapie hilft

 

Bei Farben ist leise das neue laut. Die alten Farben der Alten sind die neuen Farben der Jungen. Braun ist das neue Schwarz. Schimmern ist Silber. Glänzen ist Gold. Lila ist das neue Gelb. Sag niemals nie.