1.840 Aussteller und über 81.000 Fachbesucher aus 141 Ländern – die EuroShop, Messe für den Investitionsbedarf des Handels, präsentierte sich zum 60-jährigen Jubiläum als Global Retail Festival. Hier die Trends aus den Bereichen Storedesign, Ladenbau und Beleuchtung.
Tatjana Steinbrenner, geschäftsführende Gesellschafterin des Kaufhauses Ganz in Bensheim und Vize-Präsidentin des BTE, zeigte sich begeistert von der hohen Frequenz, Internationalität und dem Optimismus, den sie auf der EuroShop wahrnahm. Sie selbst war mit einem konkreten Ziel nach Düsseldorf gereist: Der Eingangsbereich des Kaufhauses soll im zweiten Quartal 2026 neugestaltet werden. „Wir investieren in Emotionalisierung – also in Visual Merchandising und Ladenbau – sowie in Technik.“
Doch auch Gästen ohne größeres Investitionsbudget bot die EuroShop vom 22. bis 26. Februar viel Inspiration. Dafür sorgten etwa die Wandinstallation aus farbigen Fahrradhelmen bei Trilux, die überdimensionalen analogen Blumentöpfe mit digitalen Screens in der Blütenmitte bei Umdasch The Store Makers oder die aus einem Fotoboden auskragende Haifischflosse bei der Visuals United AG. Zwar gab es in den Dimensionen Shopfitting & Store Design sowie Lighting keine bahnbrechenden Innovationen, doch sehr viel Weiterentwicklung zu entdecken.
So einfach geht Wirkung. Installation aus Fahrradhelmen bei Trilux
Es kommt auf beides an: Erlebnis und Effizienz
Auf dem Messestand von Umdasch The Store Makers, gestaltet unter dem Titel ‚Colours of Retail‘, konnten die Besucherinnen und Besucher zwei Routen wählen: die ‚Experience Route‘ durch inspirierende Markenwelten und die ‚Efficiency Route‘, bei der intelligente Lösungen für reibungslose Abläufe im Mittelpunkt standen. Damit brachte das Unternehmen die aktuell wesentlichen Themen auf den Punkt. Mehr denn je kommt es für den Modehandel darauf an, Emotion/Erlebnis und (Kosten-)Effizienz in Einklang zu bringen.
LED-Lichtsteuerung ist ein Paradebeispiel
Beide Aspekte spielen auch im Bereich Beleuchtung eine zentrale Rolle. Die erste Generation von LEDs, die zwischen 2012 und 2016 auf den Markt kamen, erreicht das Ende ihres Produktlebenszyklus, entsprechend viele Händler haben Handlungsbedarf. „Im Vergleich zur letzten EuroShop ist die Effizienzkurve im Markt zwar nur noch flach nach oben gegangen“, gab Torsten Vogt zu, Geschäftsführer von Cedes: Die Lichtfabrik. Doch seit der ersten Generation sei der Sprung deutlich. „Zudem können wir mit LEDs viel mehr machen“, spielte er auf die Steuerung der Flächen mittels Sensoren an, um auf der einen Seite Sparpotenziale zu heben, andererseits Spannung durch Lichtszenarien zu erzeugen und die Kunden zu leiten. Mit einem smart vernetzten Lichtmanagementsystem sinke der Verbrauch zusätzlich um 30 Prozent, heißt es seitens Signify, und auch die Wartungskosten fallen geringer aus.
Das Team von Trilux (Ansorg und Oktalite wurden im Oktober 2025 unter dem Markendach von Trilux vereint) machte darauf aufmerksam, dass die Beleuchtung flexibel anpassbar sein müsse, wenn Modehäuser zunehmend zu Community Spaces werden, in denen mal Yoga-Sessions und mal Kaffee-Nachmittage stattfinden. „Dann sind mehr Gemütlichkeit und Wärme gefragt.“ Doch auch mit Blick auf die Inszenierung der Mode hat sich wieder etwas getan: „Mit der neuesten LED-Generation ist der
Zielkonflikt zwischen hoher Farbwiedergabe und Effizienz nochmals geringer geworden“, unterstrich Verica Longo, Department Manager und Projektkoordinatorin bei Trilux. Sie stellte vor Ort u.a. die neuen ‚Lenty Strahler‘ vor, die mit weniger Anschlussleistung (also Strombedarf) eine höhere Beleuchtungsstärke sowie Lichtqualität erreichen.
Leuchten aus dem 3D-Drucker
Ein weiterer Trend in der Dimension Lighting: Leuchten, die aus dem 3D-Drucker kommen, und die sich individuell bezüglich Formen, Farben und Texturen konfigurieren lassen. Cedes stellte diese Entwicklung ebenso heraus wie Signify. Nihat Kolcuoglu, Senior Sales & Business Development DACH & Europe bei Signify, betonte: „Diese Leuchten können in beliebiger Stückzahl on Demand bestellt werden, wobei wir eine Lieferzeit von zwei bis drei Wochen garantieren. Es kommen Recycling-Materialien zum Einsatz. Wir bieten auch die Rücknahme der Produkte an, schmelzen sie zu Granulat ein, und fertigen im Sinne der Kreislaufwirtschaft wieder neue Leuchten daraus.“
Nachhaltigkeit bleibt relevant
Das leitet zum Thema Nachhaltigkeit über, das zwar aktuell nicht im Vordergrund steht, aber deshalb keinesfalls irrelevant geworden ist. Fotoboden bietet seit 2026 die gesamte Produktpalette seiner individuell gestaltbaren Bodenbeläge in der Qualität ‚Biorenyl‘ an. Bedeutet: Das PVC wird nicht aus fossilen, sondern aus pflanzlichen Ölen zirkulären Ursprungs hergestellt. Es werden dazu Neben- und Abfallprodukte der Gastronomie oder Holzverarbeitung genutzt. „Im Vergleich zu bisherigen Fotoböden spart das 40 Prozent CO2 in der Herstellung der bedruckbaren Rohware ein“, berichtete General Manager Mischa-Ron Ferenschild-Bätzel.
Naturoberflächen von Organoid. Foto: Messe Düsseldorf/Tillmann
Oberflächen aus Naturmaterialien wie Almheu oder Rosenblättern sind die Spezialität von Organoid. Diese Oberflächen lassen sich wahlweise wie Tapeten an Wände und Decken, wie Furnier auf Möbel oder als Klebefolie auf Glas, Metall etc. aufbringen. „Nachhaltigkeit ist für uns selbstverständlich, jetzt werden wir mutiger in puncto Design“, so Ulrich Huber, Produktentwicklung Akustik, der u.a. eine Oberfläche aus Elefantenohrblättern präsentierte. Ebenfalls neu zur EuroShop: akustisch wirksame Paneele für Decke und Wand, die zu 100 Prozent biologisch abbaubar sind.
Einrichtungsspezialist und Nachhaltigkeitspionier ppm präsentierte sich vielsagend unter dem Titel ‚Mission Morgen‘. Geschäftsführer Frank Bittel: „Wir beraten unsere Kunden beim Einsatz klimaschonender Materialien, setzen auf Konstruktionen, die später die sortenreine Materialtrennung ermöglichen, und können den Ressourcenverbrauch der gelieferten Einrichtung messen.“
Fashion kommt bei den Anbietern nicht aus der Mode
Auffallend im Segment Shopfitting: Food-Schwergewichte unter den Anbietern widmen sich verstärkt dem Segment Non-Food beziehungsweise stellen dies eindeutiger heraus. Kuhlmann Laden- und Innenausbau, vor 120 Jahren als Schreinerei gestartet und dann auf den Lebensmittelhandel spezialisiert, will entsprechend vielfältiger agieren. Drykorn, Olymp und Hey Marly gehören bereits zu den Kunden. Der ganz in Grün in amorpher Schichtbauweise gestaltete Messestand auf der EuroShop kam an und wurde mit dem ‚Exhibitor Mag EuroShop Award I Gold‘ ausgezeichnet.
Ausgezeichnet: Der EuroShop-Stand von Kuhlmann.
Foto: Messe Düsseldorf/Tillmann
Wanzl, dessen Einkaufswagen auf nahezu jedem Kontinent zum vertrauten Bild gehören, hatte u.a. einen Japan Concept Store samt Fashion-Area auf seinem Stand integriert und präsentierte sich zudem im Designers‘ Village, um seine Erfahrung im Non-Food-Ladenbau sichtbar zu machen – inklusive Referenzen wie Nelly in Schweden oder Footlocker in Großbritannien. Warum ein Japan Concept Store? Weil Japan als Inspirationsquelle für innovatives, mutiges Retaildesign gilt. Der kunstvoll inszenierte Hochzeits-Kimono an der Wand avancierte zum Selfie Point, während der reduzierte Zen-Garten Ruhe, Natürlichkeit und – wie Peter Hartmann, Vice President Retail Solutions, augenzwinkernd sagte – „eine Portion gutes Karma“ auf den Stand brachte.
Japan Concept Store mit selbst entwickelter Grafik bei Wanzl.
Foto: Messe Düsseldorf / Tillmann
Das Südtiroler Unternehmen Schweitzer feierte 99. Geburtstag in Düsseldorf. Eine der Stärken des 360°-Anbieters sind flexibel anpassbare Storelayouts, inklusive Elektrifizierung. So kann die Verköstigungstheke, die heute noch an dieser Stelle steht, morgen schon woanders sein. „Weg von der Couch, rein in den Handel“ – dazu möchten CEO Bernhard Schweitzer und Team animieren. Auf der Referenzliste stehen u.a. Aldo, Puma, die irischen Dunnes Stores, die Fashion & Food kombinieren, sowie der nachhaltige Modefilialist Kauri Store. Text: Stefanie Hütz
Weitere Informationen über die neuesten EuroShop-Trends und -Innovationen im Bereich Storedesign und Lighting finden Sie in der kommenden Print-Ausgabe des BTE marketing berater. Sie erscheint am 9. April und wird dann auch als E-Paper auf der BTE-Website veröffentlicht.
