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EuroShop Tech-Trends: Handel ist offen für Innovationen

Volle Hallen, internationale Entscheider, konkrete Projektgespräche – und stellenweise sogar Stau in den Gängen: Die EuroShop zeigte im Jahr ihres 60-jährigen Bestehens bemerkenswerte Frequenz. Viele Aussteller berichten von qualitativ starken Kontakten, hoher Internationalität und einer spürbaren Investitionsbereitschaft im Handel.

 

„Auf der EuroShop werden nicht nur die zentralen Themen des Handels, sondern auch dessen große Wandlungsbereitschaft sichtbar“, resümiert Ulrich Spaan, Geschäftsführer des EHI Retail Institute, im offiziellen Abschlussbericht der Messe. „Der Handel nutzt alle Chancen, seine Zukunft kreativ und aktiv zu gestalten. Dabei dienen KI und digitale Technologien nicht nur der Effizienzsteigerung, sondern auch dazu, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und das Einkaufserlebnis weiter zu verbessern.“

 

Hauptsache mobil

 

In Halle 6 wurde schnell deutlich, worum es derzeit wirklich geht. Digitale Lösungen sind längst kein Zusatz mehr, sondern Teil der betrieblichen Infrastruktur. Händler suchen Systeme, die Prozesse stabiler, effizienter und zugleich kundenfreundlicher machen. Ein zentraler Trend dabei: Die Verkaufsfläche wird operativ intelligenter – und vor allem mobiler.

 

Darauf zahlen auch die cloudbasierten Lösungen von Advarics ein. Das österreichische Softwareunternehmen zeigte auf der EuroShop seine neuen Tools für Mobile Payment, Self-Checkout und mobilem Warenkorb.

 

„Die mobile Kasse ist das nächste große Thema“, sagt auch Lars Endrikat, Sales Consultant & Marketing bei Hiltes. Noch würden viele Händler die digitale Transformation unnötig hinauszögern. Gerade kleinere Unternehmen müssten jedoch schneller in moderne Systeme investieren, um Abläufe zu vereinfachen und effizienter arbeiten zu können.

 

Auch bei Intelligix stehen intuitive Lösungen für Preisänderungen und mobiles Verkaufen im Fokus. Gerade bei beratungsintensiven Szenarien – etwa bei VIP-Services – ermöglicht die Technologie, Beratung und Checkout direkt auf der Fläche zusammenzuführen. Verkäufer können Produkte erklären, Entscheidungen begleiten und den Kauf unmittelbar abschließen, ohne den Kunden zur stationären Kasse zu schicken. Ziel ist es, Servicequalität zu erhöhen und gleichzeitig Prozesse zu beschleunigen.

 

Payment wird robuster und vernetzter

 

Im Payment-Bereich stand allerdings nicht nur das mobile Terminal selbst im Mittelpunkt, sondern auch die Frage nach Systemstabilität und Integration. Zahlungsanbieter Nexi präsentierte Lösungen, bei denen Kreditkarten-, eLV- und Girocard-Zahlungen auch offline funktionieren. „Selbst bei Netzproblemen können bis zu 100 Transaktionen weiterverarbeitet werden“, erklärt Matthias Krambeer, Key Account Manager Retail. Ein entscheidender Vorteil, um Umsatzverluste durch technische Ausfälle zu vermeiden. Beim Modehändler Wöhrl kommt diese Technologie bereits zum Einsatz.

 

Bei Payone steht die Kooperation mit dem niederländischen Payment-Anbieter Online Payment Platform (OPP) im Zentrum der Strategie. Sie verbindet Online- und Offlinehandel technisch miteinander und schafft damit ein konsistentes Einkaufserlebnis über alle Kanäle hinweg. „Da geht die Reise hin“, prognostiziert Jörg Mertens, Associate Director Fashion & Lifestyle.

 

Produkte können online bestellt, im Store anprobiert und direkt bezahlt werden – ebenso möglich sind stationäre Käufe, die später online retourniert werden. Über die Plattform laufen Warenbestand, Preise, Zahlungsdaten und Kundeninformationen zusammen. Besonders gefragt sind sogenannte EC-Karten-Tokens, mit denen sich nachträglich Membercard-Informationen ergänzen lassen, ohne dass bereits getätigte Käufe verloren gehen.

 

Auch im Payment-Ökosystem rückt Effizienz stärker in den Fokus. Beim Anbieter Verifone setzt man verstärkt auf Beratung und transparente Kostenstrukturen. Ein ausgebauter Außendienst unterstützt Händler vor Ort mit Vergleichsrechnungen und individuellen Analysen. Zudem bündelt das sogenannte Bank-Accounting tägliche Zahlungseingänge zu einer Sammelüberweisung, wodurch Bankgebühren reduziert und administrative Prozesse vereinfacht werden.

 

Tracking, Daten und intelligente Preissteuerung

 

Das Unternehmen VusionGroup treibt mit der Technologie ‘E-Sway' das Tracking direkt am Produkt voran. Sensorik und digitale Preisleisten ermöglichen es, Bewegungen und Interaktionen auf der Fläche zu analysieren und daraus Rückschlüsse auf das Einkaufsverhalten zu ziehen.

 

Ein besonders anschauliches Beispiel dafür liefert das Modehaus L&T in Osnabrück. Der Händler wurde auf der EuroShop mit einem reta Award in der Kategorie ‘Smart Store’ ausgezeichnet. Gemeinsam mit Vusion und der Pricing-Engine von GK Air hat L&T im Rahmen eines Pilotprojekts ca. 20.000 Produkte mit intelligenten Hangtags ausgestattet, die einzelne Artikel im Store lokalisieren können. Die Technologie zeigt etwa, wie häufig Produkte bewegt oder in Umkleidekabinen mitgenommen und mit welchen Artikeln sie kombiniert werden.

 

In Verbindung mit Verkaufsdaten entstehen so detaillierte Einblicke in das Kundenverhalten auf der Fläche. Gleichzeitig lassen sich Preise und Promotionen in Echtzeit steuern und automatisch mit dem Online-Shop synchronisieren. Mitarbeitende müssen Artikel bei Preisaktionen oder Kollektionswechseln nicht mehr manuell neu auszeichnen – ein erheblicher Effizienzgewinn.

 

Darüber hinaus eröffnen digitale Preisleisten neue Möglichkeiten für sogenanntes ‘monetized advertising’. Marken können Produkte direkt am Regal sichtbar bewerben, während KI-gestützte Sensorik Prozesse wie Click & Collect oder Nachbestellungen effizienter steuert. Viele dieser Technologien kommen derzeit vor allem im Lebensmitteleinzelhandel zum Einsatz, könnten perspektivisch jedoch auch im Modehandel eine größere Rolle spielen.

 

Effizienz hinter den Kulissen

 

Technologische Innovationen betreffen allerdings nicht nur die Verkaufsfläche, sondern auch die Abläufe im Hintergrund. Besonders deutlich wurde das im Bereich Personalmanagement. Zu den branchenspezialisierten Anbietern von Lösungen fürs Workforce Management gehört das Hamburger Unternehmen Seak, das seit Anfang des Jahres Teil der Yuvenda-Gruppe ist und sich damit für die Zukunft sehr gut aufgestellt sieht. Ein Schwerpunkt von Seak sind mobile Planungslösungen, die für Effizienz und Transparenz in der Personaleinsatz- und Urlaubsplanung sorgen – und damit für mehr Zufriedenheit im Team.

 

Das Unternehmen SameSystem setzt auf KI-gestützte Personalplanung. Die Software hilft Händlern dabei, Einsatzpläne, Zeit- und Personalressourcen sowie Budgets präziser zu kalkulieren. Gerade angesichts anhaltender Personalknappheit kann eine datenbasierte Planung entlasten, administrative Aufgaben reduzieren und die Organisation im Store deutlich erleichtern.

 

Technologie als wirtschaftliche Notwendigkeit

 

Die EuroShop 2026 hat gezeigt, wie stark sich der stationäre Handel verändert. Viele Händler investieren trotz wirtschaftlicher Unsicherheit in technologische Infrastruktur – nicht als Prestigeprojekt, sondern als betriebliche Grundlage.

 

Egal ob auf der Verkaufsfläche, in der technischen Infrastruktur oder im operativen Hintergrund: Digitale Lösungen greifen inzwischen ineinander. Mobile Beratung und flexible Checkout-Prozesse verändern das Einkaufserlebnis direkt im Store. Vernetzte Payment- und Plattformlösungen sorgen für stabile Prozesse über alle Kanäle hinweg. Und im Operations-Bereich helfen KI-gestützte Systeme dabei, Personal, Warenbestände und Preisstrategien präziser zu steuern.

 

Der Komfort aus dem E-Commerce wird damit zunehmend zum Standard im stationären Handel, KI zur Planungsgrundlage im Hintergrund und Payment-Systeme zu einer resilienten Infrastruktur des Geschäfts. Die EuroShop machte deutlich: Der stationäre Handel befindet sich nicht mehr in einer digitalen Experimentierphase. Technologie entscheidet zunehmend darüber, wie effizient ein Geschäft betrieben werden kann – und wie relevant es für die Kundschaft bleibt. Text: Cheryll Mühlen

 

Weitere Informationen über die neuesten EuroShop-Trends und -Innovationen im Bereich Retail Technology finden Sie in der kommenden Print-Ausgabe des BTE marketing berater. Sie erscheint am 9. April und wird dann auch als E-Paper auf der BTE-Website veröffentlicht.