Vom „Fashion Universum“ in Luxemburg bis zum Marktplatz in der bayerischen Provinz – den schwierigen Rahmenbedingungen zum Trotz investiert der mittelständische Modehandel in den Umbau bestehender und die Eröffnung neuer Flächen.
Und egal, ob es um große oder kleine Stores ging, im Mittelpunkt der Projekte standen stets die Wohlfühlatmosphäre und die Beratungsqualität als wichtige USP des stationären Handels, der nicht nur Einkaufsort, sondern auch erlebnisreicher Treffpunkt sein möchte. Hier eine Auswahl spannender Projekte in Kurzporträts:
Engelhorn: Fashion Universum und Sport-Store in Luxemburg eröffnet
Gridx heißt eine neue „Multierlebnis-Destination“, die in Luxemburg auf der grünen Wiese eröffnet hat: mit spannendem Retail, einer Motorworld, einem immersiven Kunstmuseum, einem Hotel und vielfältiger Gastronomie.
Der Store von Engelhorn bildet dabei das Herz der Modewelt. Auf gut 5.500 qm Fläche haben die Mannheimer in Zusammenarbeit mit Atelier 522 (Gestaltung) und Kraiss (Ladenbau) innerhalb weniger Wochen ein Konzept umgesetzt, das Fashion, Luxury, Accessoires, Hospitality und digitale Inszenierung zu einem Gesamtbild zusammenführt und klassische Storelogiken bewusst aufbricht. Aus Sicht des Ladenbaus entstand dabei nicht ein einzelner Store, sondern ein Ensemble aus acht unterschiedlich gestalteten Welten – ein multisensorisches ‚Fashion Universum‘.
Dieses erzählt die Geschichte von den Planeten Mars, Venus, Saturn, Jupiter, Neptun und Erde sowie von Mond und Sonne. Die jeweiligen Eigenschaften prägen Materialien, Formen, Farben und Lichtstimmungen in den verschiedenen Bereichen. So bildet Saturn zum Beispiel kraftvoll-elegant die Bühne für das Herren-Premium-Segment, in dem sich auch eine Whiskey-Bar befindet. Das Sortiment ist insgesamt noch hochwertiger als am Stammsitz. Engelhorn betreibt im Gridx zudem einen gut 500 qm großen Sport-Store.
Fotos: Kraiss
Schneider, Fulda: Neueröffnung nach aufwändigem Umbau
Ende März wurde das seit 2017 zur AppelrathCüpper-Gruppe gehörende traditionsreiche Modehaus Schneider in Fulda nach längerer Umbauphase mit einem großen Event für geladene Stammkundinnen wiedereröffnet.
Im Zuge der Neugestaltung wurde das Haus mit einer Verkaufsfläche von 2.700 qm umfassend neu gedacht: Kein Bereich blieb unverändert. Bewusst erhalten und nun deutlich stärker inszeniert wurde jedoch die historische Stadtmauer, die heute freier liegt und dadurch noch eindrucksvoller zur Geltung kommt.
Im Zentrum des neuen Storekonzepts steht die Deckenöffnung, die sich vom Erdgeschoss bis in das dritte Obergeschoss erstreckt. Die auffällige Wendeltreppe bildet als skulpturales Element einen kraftvollen Blickfang und eine visuelle Verbindung über alle Ebenen hinweg.
Insgesamt prägen ausgewählte Materialien wie Terrazzo, Mikrozement und Sisal das Erscheinungsbild und schaffen eine klare, zugleich wohnliche Atmosphäre, die durch stilvolle Verweilzonen und eine Bar verstärkt wird. Im Premiumbereich setzt edles Fischgrätparkett einen hochwertigen Akzent. Die Farbwelt ist bewusst kuratiert: Zarte Töne treffen auf Akzente wie Bordeaux und kräftigem Gelb und schaffen eine moderne Bühne für aktuelle Mode von insgesamt 150 internationalen Premium- und Contemporary-Marken.
AppelrathCüpper wurde Ende 2020 im Rahmen des Insolvenzverfahrens vom österreichischen Unternehmer Peter Graf übernommen, dem auch der Filialist Kleider Bauer gehört. Für den Umbau des Modehaus Schneider in Fulda war das konzerneigene Architekten-Team um Stefan Schlicher verantwortlich.
Fotos: Michel Landmann
Modehaus Frey: Neue Filiale in Sulzbach-Rosenberg
Am 1. April hat das neueste Modehaus der Unternehmensgruppe Frey in Sulzbach-Rosenberg in der Nähe von Amberg Eröffnung gefeiert. Das Chamer Unternehmen, das insgesamt acht Mode-, Möbel- und Sportgeschäfte betreibt, hatte das Geschäft des Textilhauses Carl Schmidt übernommen und es damit vor der Schließung mangels Nachfolgelösung bewahrt. „Wir glauben an die Zukunft stationärer Multi-Label-Konzepte und freuen uns, dass wir den Standort als Anlaufpunkt für modisch interessierte Kundinnen erhalten können“, so Helmut Hagner. Der Frey-Geschäftsführer kann sich vorstellen, weitere Geschäfte in kleineren Städten zu übernehmen, konkrete Pläne für neue Projekte gibt es derzeit aber noch nicht.
In Sulzbach-Rosenberg bietet Frey auf einer neugestalteten 600 qm großen ebenerdigen Fläche eine sorgfältig kuratierte Auswahl an DOB-Labels wie z.B. Comma, Lascana, MAC, Monari, Opus und Zero an. Alle Mitarbeitenden von Carl Schmidt wurden übernommen. Wie auch an den vier anderen Modestandorten möchte Frey die Kundinnen mit aktuellen Trends und persönlicher Beratung begeistern. So soll es auch im bisher kleinsten Frey-Modehaus einen Private-Shopping-Service geben. Die Räumlichkeiten dafür sind gerade in Planung.
Modehaus Müller-Ditschler, Büdingen: Alles neu im Stammhaus
Tanja Kolb hat über eine Million Euro in den neuen Auftritt des 3.500 qm großen Stammhauses in Büdingen, einer Kleinstadt nordöstlich von Frankfurt, investiert. Nachdem die DOB-Flächen vor drei Jahren neugestaltet wurden, ist jetzt die Menswear-Fläche komplett entkernt und neugestaltet worden. Sie profitiert flächenmäßig vom Umzug der Wäscheabteilung ins Untergeschoss und nimmt jetzt im 1. Obergeschoss 800 qm ein, einschließlich einer neuen Young Men-Fläche mit Labels wie Lindbergh, Pegador und Pas de Monaco sowie einer vergrößerten Auswahl an Sportswear Premium-Marken wie Tommy Hilfiger, Joop und ab Herbst Boss Orange.
Zweiter Umbauschwerpunkt war das Untergeschoss, in dem die Wäsche durch die Aufgabe der Kindermodeabteilung auf 250 qm eine neue Heimat gefunden hat und in einem schönen Ambiente mit goldfarbenen Warenträgern und Rückwänden präsentiert wird. Zentraler Blickfang in der offenen Decke ist ein ovales Deckenelement mit stimmungsvoller Beleuchtung.
Der Umbau in Zusammenarbeit mit der Kunze Group, Elmshorn, wurde auch genutzt, um die anderen Abteilungen aufzufrischen, sodass jetzt das gesamte Haus in einem modernen und einladenden Look erstrahlt, in dem sich nicht nur die Kundinnen und Kunden wohlfühlen, sondern auch die Mitarbeitenden.
Neben dem Stammhaus betreibt Müller-Ditschler noch ein 2.250 qm großes Modehaus in Hanau sowie den Trend Fashion Store Paradiso in Büdingen mit 500 qm.
Fotos: Kunze Group, Elmshorn
Modehaus Frühauf in Freystadt: Neuer Look für Womenswear
Das neue Logo an der Fassade des Haupthauses des fast 200-jährigen Modehaus Frühauf ist äußeres Zeichen für die Zukunftsorientierung der Inhaberfamilie Pirzer, die in vierter und fünfter Generation das Unternehmen in Freystadt leitet. Sechs Jahre, nachdem das komplette Haupthaus am historischen Marktplatz umgebaut und modernisiert wurde, bekam die Womenswear im Erd- und 1. Obergeschoss erneut einen neuen Look.
Insgesamt wurde im laufenden Betrieb eine Fläche von 600 qm mit den Abteilungen DOB Premium und DOB Casual & Trend neu gestaltet und auch neu strukturiert (Idee & Realisation: Konrad Knoblauch, Markdorf). Die Kundinnen werden nicht mehr über einen zentralen Laufweg geführt, sondern können und sollen sich flanierend die Fläche erschließen, die jetzt nach verschiedenen Themen und nicht mehr nach Marken strukturiert ist. Gestärkt und sichtbarer gemacht wurde die Hosenkompetenz, die sich neben der großen Auswahl an anlassbezogener Mode zu einem wichtigen Standbein entwickelt hat. Ganz neu ist die Cafébar, die auf die Themen Verweildauer und Erlebnis einzahlen soll.
Decken, Wände und auch der Boden sind in einem hellen, cremefarbenen Ton gehalten und stehen im angenehmen Kontrast zu den schwarzen Lichtschienen und filigranen schwarzen Warenträgern, die flexibel platziert werden können, um die Fläche im Saisonverlauf anpassen und auch Platz für Events schaffen zu können. Eyecatcher bilden der hellgrau gehaltene Kassentresen, Dekopoints sowie die in einem warmen Grünton gestrichenen Umkleidekabinen.
Fotos: Jens Pfisterer für Knoblauch
Robert Ley: Jetzt auch in Neuss mit neuem Storekonzept
Die Robert Ley-Gruppe setzt ihre Strategie weiter fort, die Filialen zu modernisieren und ihnen ein einheitliches und wiederkennbares Erscheinungsbild zu geben. Das Storekonzept wurde gemeinsam mit dem Team von Knoblauch in Markdorf entwickelt und setzt auf eine verständliche Raumaufteilung mit 14 harmonisch aufeinander abgestimmten Shop-in-Shop-Flächen und klaren Sichtachsen, damit sich die Kundinnen und Kunden leicht orientieren können.
Am Robert Ley-Standort in Neuss direkt neben dem Imotex waren die baulichen Voraussetzungen der 3.000 qm großen Fläche nicht einfach, wie Innenarchitektin Lena Dünser von Knoblauch berichtet: „Das sehr verschachtelte Gebäude mit vielen Winkeln, Säulen und niedrigen Decken war eine Herausforderung für uns, die wir aber gut gelöst haben. Unser Ziel war die Durchsicht bis ganz hinten.“ Durch die Öffnung vorher geschlossener Fensterfronten wirkt die Verkaufsfläche jetzt freundlicher und weitläufiger. Anders als in den anderen Stores wurde die Bar nicht mittig, sondern seitlich am Eingang platziert.
Fotos: Joachim Grothus für Knoblauch
