Drei Monate nach einem ersten Test, in dem Greenpeace mit Chemikalien belastete Shein-Produkte identifiziert hatte, verkauft die asiatische Plattform weiterhin Bekleidung, die nicht EU-Standards entspricht. Mehr als 80 Prozent der erneut geprüften Artikel überschreiten geltende Grenzwerte.
Das Bremer Umweltinstitut hat im Auftrag von Greenpeace im Januar 2026 insgesamt 31 Kleidungsstücke getestet und in 25 davon teils massiv überschrittene Grenzwerte der europäischen Chemikalienverordnung (REACH) festgestellt. Dabei handele es sich um identische oder sehr ähnliche Produkte wie bei einem Greenpeace-Test im November 2025, welche laut Shein nicht mehr auf der Plattform verfügbar sein sollten.
Greenpeace hatte vor rund drei Monaten bereits unter anderem die Weichmacher Phthalate sowie die „Ewigkeitschemikalie“ PFAS in viel zu hoher Konzentration nachgewiesen. Als Reaktion hatte Shein angekündigt, die betroffenen Artikel vom Markt zu nehmen und erklärte, Produktsicherheit sowie EU-Standards hätten oberste Priorität. Ein folgenloses Versprechen: Shein entfernte einzig die von Greenpeace beanstandeten, konkreten Produktnummern.
„Sheins Dreistigkeit ist erschütternd. Vor dem EU-Parlament verspricht der Konzern, Verbraucherinnen und Verbraucher zu schützen – doch in Wahrheit verkauft Shein massiv belastete Produkte einfach weiter und nimmt Schäden für Mensch und Umwelt billigend in Kauf. Dieses Verhalten ist grob fahrlässig“, sagt Moritz Jäger-Roschko, Greenpeace-Experte für Kreislaufwirtschaft.
Nach Angaben von Greenpeace waren unter den 25 im Januar 2026 getesteten, belasteten Produkten vier komplett identische Produkte zum ersten Test, wie etwa eine Outdoorjacke, die sogar erneut beim selben Händler verfügbar war. Die gefährlichen Chemikalien hätten die EU-Grenzwerte teilweise bis um das 3115-fache überschritten.
Durch das sogenannte Direct-to-Consumer-Prinzip liefert Shein die Ware direkt aus China an Verbraucher in der EU. Damit entziehe sich Shein bislang der Haftung nach dem EU-Chemikalienrecht. Rechtlich, so Greenpeace, gelten nämlich die Käuferinnen und Käufer als Importierende – und tragen formal die Verantwortung dafür, dass die Produkte den EU-Grenzwerten entsprechen. Um solche Praktiken zu verhindern, müsse das EU-Chemikalienrecht ohne Schlupflöcher für alle in der EU zu erwerbende Produkte gelten, fordert die Umweltschutzorganisation. Anbieter, die wiederholt gegen EU-Vorgaben verstoßen, müssten sanktioniert und vom Markt ausgeschlossen werden.
Europäische Kommission überprüft, ob Shein gegen Digital Service Act verstößt
Kürzlich hat die Europäische Kommission allerdings ein Verfahren gegen die Online-Plattform Shein nach dem ‚Digital Service Act‘ eingeleitet. Im Fokus steht die Frage, ob Shein ausreichend Maßnahmen ergreift, um den Verkauf illegaler, in der EU nicht zugelassener Produkte zu verhindern. Die Handelsverbände BTE und HDE begrüßen das Vorgehen der Europäischen Kommission.
