Jeder zweite Modehändler landete 2025 in den roten Zahlen. Im Schuhhandel ist die Lage noch dramatischer. Angesichts der schwachen, teils rückläufigen Umsatzentwicklung insbesondere im stationären Fachhandel bei steigenden Kosten fordert BTE-Präsident Mark Rauschen von der Politik konsumfördernde Maßnahmen.
Nach ersten Hochrechnungen des BTE Handelsverband Textil Schuhe Lederwaren (BTE) hat sich der Umsatz des Handels mit Bekleidung 2025 insgesamt nur sehr schwach entwickelt. Über alle Vertriebsformen wurde laut BTE im letzten Jahr Bekleidung im Wert von 57,14 Mrd. Euro verkauft. Dies entspricht einer nominalen Erhöhung von gerade einmal rund einem Prozent gegenüber 2024 (56,54 Mrd. Euro). Innerhalb der Branche waren die Online-Pure-Modehändler wieder die klaren Gewinner der Entwicklung. Der stationäre Bekleidungsfachhandel verharrte dagegen nahezu auf gleichem Niveau des Vorjahres. Wobei die klare Mehrzahl der mittelständischen Bekleidungshandels Umsatzrückgänge zu verbuchen hatten, während vertikale Großbetriebe der Branche u.a. durch Filialeröffnungen umsatzmäßig zugelegt haben.
Bei Betrachtung der operativen Geschäftsergebnisse, unter Berücksichtigung kalkulatorischer Kosten, landete nach einer aktuellen BTE-Umfrage jeder zweite stationäre Bekleidungshändler in den roten Zahlen, bei 18 Prozent lag der operative Verlust sogar bei fünf Prozent oder schlechter.
Stationäre Schuhfachgeschäfte verlieren vier Prozent Umsatz
Eine noch schlechtere Entwicklung ergab sich im Schuhhandel. Hier reduzierte sich das gesamte Marktvolumen laut BTE von rund 11,66 Mrd. Euro im Vorjahr auf 11,48 Mrd. Euro im Jahr 2025 (minus 1,5 Prozent). Deutliche Verlierer waren die stationären Schuhfachgeschäfte, die nahezu vier Prozent Umsatzverluste zu verkraften hatten. Wie im Bekleidungsfachhandel konnten auch im Schuhhandel die reinen Online-Schuhanbieter Umsatzzuwächse verzeichnen. Rund 67 Prozent der stationären Schuhhändler verzeichneten ein negatives operatives Geschäftsergebnis, bei 37 Prozent lag der operative Verlust bei fünf Prozent oder schlechter.
BTE-Präsident Rauschen warnt vor weiterem Exitus des Mode- und Schuhhandels
„Das Jahr 2025 hat unseren Branchen einen weiteren herben Rückschlag beschert. Wenn durchschnittlich deutlich mehr als die Hälfte aller Bekleidungs- und Schuhhändler operative Verluste machen, dann ist das ein wahres Horrorszenario. Die Entwicklung ist dramatisch und wir müssen aufpassen, dass noch bestehende stationäre Handels- und Versorgungsstrukturen unserer Branchen nicht vollends wegbrechen. Der Exitus unserer Branchen muss gestoppt werden!“, konstatiert BTE-Präsident Mark Rauschen, geschäftsführender Gesellschafter des Osnabrücker Modehauses L&T Lengermann & Trieschmann.
BTE-Präsident Mark Rauschen
Die Erwartungen der Händler für 2026 sind gering
Auch für das laufende Jahr sind die Aussichten eher trüb. Laut aktueller BTE-Unternehmerumfrage rechnen nur etwa 30 Prozent der Bekleidungshändler mit einem nennenswerten Umsatzplus. 34 Prozent der befragten Bekleidungshändler befürchten dagegen einen Umsatzrückgang von mindestens einem Prozent, der Rest erwartet mehr oder weniger ein Pari. Im Schuhhandel sind die Erwartungen ebenso ernüchternd: Hier gehen sogar lediglich 16 Prozent der Schuhhändler von einem leichten Umsatzplus von bis zu fünf Prozent aus. Etwa jeder zweite Schuhhändler erwartet ein Pari, ein Drittel dagegen ein deutliches Minus.
Kaufzurückhaltung und Kostensteigerung sind die größten Problemfelder
Als Hauptprobleme für die schlechte Entwicklung und Aussichten nennen die Händler den nach wie vor schwachen privaten Konsum. Auf Unternehmensseite werden die hohen Kostenbelastungen und die weiterhin gravierenden Beeinträchtigungen durch die Bürokratie beklagt. Auch der nach wie vor ebenso massive wie ungleiche Wettbewerb mit asiatischen Plattformen und der anhaltende Attraktivitätsverlust der Innenstädte sind abermalige Problemfelder.
Als Folge wollen sich die in der BTE-Unternehmerumfrage befragten Händler 2026 bei ihrer Arbeit vor allem auf die Steigerung ihrer Rendite konzentrieren. Auf der Prioritätenliste ganz oben stehen Maßnahmen zur Verbesserung der Warensteuerung und des Abschriftenmanagements sowie Maßnahmen zur Kostensenkung. Weitere Ansatzpunkte sind Mitarbeiterschulung und -motivation, Eventmarketing sowie CRM.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Branchenentwicklung fordert BTE-Präsident Rauschen von der Politik zum einen schnelle und nachhaltige Maßnahmen zur Ankurbelung des privaten Konsums. „Was wir brauchen, ist ein Konsumschub, mit deutlichen Steuerentlastungen und weiteren Senkungen der Energiekosten für alle Menschen. Die Leute brauchen effektiv mehr Geld in ihren Portemonnaies, um es auch bei uns ohne große Sorgen und Überlegungen mit Freude ausgeben zu können. Wir leben in der Masse von der Mittelschicht und die muss vor allem entlastet bzw. gestärkt werden.“
Zum anderen mahnt der BTE massive und nachhaltige Kosten- und Bürokratieentlastungen der Unternehmen durch die Politik an sowie ein energischeres Vorgehen gegen unkontrollierte Warenströme aus Asien mit schadstoffbelasteten Billigprodukten.



