Qualifiziertes Personal zu finden, bleibt für den Handel trotz einer entspannteren Arbeitsmarktlage eine Herausforderung. Die Anzahl der Bewerbungen hat sich zwar im Vergleich zu den Vorjahren gesteigert, die Qualität der geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten jedoch nicht gleichermaßen.
Dies zeigen die Ergebnisse der aktuellen EHI-Studie ‚Talents4Retail 2026‘. Immer häufiger tragen Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) zu einem effektiven und effizienten Recruiting-Prozess bei.
Bewerbungen: Quantität gewinnt, Qualität verliert
52 Prozent der befragten Händler haben in den letzten zwölf Monaten etwas mehr Bewerbungen im Vergleich zu den Vorjahren erhalten, 41 Prozent sogar deutlich mehr. Bei den meisten Händlern (45 Prozent) bewirbt sich jedoch weniger gut geeignetes Personal als in den Vorjahren. „Wenn Stellen in den Zentralen längere Zeit unbesetzt bleiben, liegt dies vor allem einerseits an den hohen Ansprüchen der Bewerbenden und andererseits an einer nicht ausreichenden Qualifikation“, sagt Ulrike Witt, Koordinatorin des Forschungsprojekts Personal.
Neben den zu hohen Ansprüchen (89 Prozent) und der mangelnden Qualifikation (88 Prozent) zählt auch ein unzureichendes Recruiting-Budget (71 Prozent) zu den Top 5-Gründen für die Nichtbesetzung von Stellen in der Verwaltung. Für die Filialen hingegen sind es Faktoren wie das allgemeine Image des Handels (100 Prozent) mit langen Öffnungszeiten und wenig flexiblen Arbeitszeiten sowie die geringe Anzahl an Personal für HR (100 Prozent), die das Recruiting neuer Mitarbeitenden erschweren.
Recruiting-Maßnahmen und Einsatz von Technologie
Um offene Stellen trotz der Situation am Arbeitsmarkt in der Verwaltung leichter besetzen zu können, wird das Budget für Recruiting angepasst und mit flexiblen Arbeitszeiten sowie der Möglichkeit zu Remote-Work (je 100 Prozent) geworben. In den Filialen sowie der Logistik setzen die Personalabteilungen vor allem auf eine vereinfachte Bewerbung (95 bzw. 81 Prozent) und einen kurzen Recruiting-Prozess (95 bzw. 80 Prozent), auch ist hier der Quereinstieg willkommen (95 bzw. 75 Prozent).
Um den Recruiting-Prozess möglichst effektiv und effizient zu gestalten, werden immer mehr Technologien eingesetzt. Während datenbasierte Tools bzw. KI in der Verwaltung bereits alltäglich eingesetzt werden, ist die Talentsuche mit Hilfe digitaler Tools für die Filialen und für die Logistik noch weniger verbreitet. In den Filialen wird aktuell vor allem auf Bewerbungen per Messenger wie WhatsApp, Facebook oder Instagram (100 Prozent) sowie Sprachnachrichten (90 Prozent) gesetzt, in der Logistik dominieren Bewerbungen via Website, beispielsweise per Video (82 Prozent).
Für die Zukunft erwarten die Personalverantwortlichen der Branche, dass KI in fast allen Bereichen und Stufen des Recruitings eingesetzt wird – von passgenauen Stellenanzeigen über die Vorselektion bis hin zum Bewerbermanagement. Auch die traditionelle Personalplanung wird zunehmend durch proaktives, adaptives Predictive Workforce Planning ersetzt, um effizienter und resilienter in einer volatilen Umwelt agieren zu können.
Das EHI-Whitepaper steht zum kostenfreien Download bereit.
Datenbasis:
Es wurden HR-Verantwortliche des deutschen Einzelhandels befragt. Insgesamt haben sich 38 Unternehmen beteiligt. Der Lebensmittelhandel ist mit 48 Prozent am häufigsten vertreten. Teilgenommen haben sowohl mittelständische Unternehmen als auch große, filialisierte Einzelhändler mit einem Jahresumsatz von über 5 Mrd. Euro (44 Prozent) und mehr als 10.000 Mitarbeitenden (41 Prozent).
