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Branchenfokus Schuhe: Nachholeffekte geringer als erwartet

Auch im Schuhmarkt gilt: Der erhoffte starke Aufschwung durch Nachholeffekte blieb krisen- und inflationsbedingt im laufenden Jahr aus. Ein Drittel der Konsumenten gibt laut aktueller Studie weniger für Schuhe und Bekleidung aus. Die steigenden Produktions- und Lieferkosten im Schuhmarkt sind für die Kunden noch kaum spürbar.

 

Im neu erschienenen ‚Branchenfokus Schuhe‘ untersuchen das IFH Köln in Zusammenarbeit mit der BBE Handelsberatung den Status Quo des Schuhmarktes. Nach einem starken, coronabedingten Einbruch – minus 15,6 Prozent im Jahr 2020 im Vergleich zu 2019 – erholt sich der Gesamtmarkt nur langsam. Der erhoffte starke Aufschwung durch Nachholeffekte im aktuellen Jahr bleibt krisenbedingt bislang aus. „Der Schuhmarkt ist eine hart umkämpfte Branche, in der Verbrauchertrends den Ton angeben. Wenn Händler und Hersteller hier mithalten wollen, müssen sie trotz der Krisen diese Trends frühzeitig erkennen und gezielt auf sie eingehen,“ so Peter Frank, Senior Consultant bei der BBE Handelsberatung.

Konsumstimmung verhalten 

 

Die Konsumstimmung der deutschen Bevölkerung ist getrübt: Rund jeder dritte Konsument gibt aufgrund der allgemeinen Preissteigerungen weniger Geld für das eigene Outfit aus (31 Prozent). Eine Tendenz, die sich schon in den letzten Jahren gezeigt hat: Seit 2000 hat sich der Konsumausgabenanteil für Bekleidung und Mode (einschl. Schuhe) von sechs Prozent hin zu 3,9 Prozent im vergangenen Jahr 2021 deutlich reduziert. Mögliche Gründe für diese Einbrüche lassen sich in den Verbrauchertrends erkennen: Kundinnen und Kunden kaufen mit Blick auf Nachhaltigkeit seltener neue Schuhe und durch die sogenannte Casualisierung der Kleidung – vorangetrieben durch den Cocooning-Effekt der Pandemie – ersetzen Sneaker häufiger teure Anlassschuhe. Die Prognose des Gesamtmarktes für 2022 lässt jedoch Hoffnung zu: Ein prognostiziertes Plus von knapp sieben Prozent führt nach Berechnungen der Branchen-Experten von BBE und IFH Köln dazu, dass sich das Gesamtmarktvolumen mit rund neun Milliarden Euro langsam wieder dem vorpandemischen Wert annähert (9,9 Mrd. Euro in 2019).

 

Produktions- und Importkosten steigen

  

Die Auswirkungen der Lieferkettenkrise und der Warenknappheit sind im Schuhhandel weiterhin spürbar. Jedoch haben die Mehrausgaben der Händler bislang keinen großen Einfluss auf die Verbraucherpreise. Während 2020 die Erzeugerpreise um 0,4 Prozent anstiegen, sanken die Verbraucherpreise sogar um minus 0,5 Prozent. Im vergangenen Jahr deutete sich jedoch eine Wende an: Die Verbraucherpreise stiegen um 0,8 Prozent und überholten damit die Einfuhr- und Erzeugerpreise (0,7 Prozent und 0,6 Prozent). Die Prognose der Verbraucherkosten für 2022 sieht einen überdurchschnittlichen Anstieg: Verbraucherpreise könnten um 2,2 Prozent ansteigen, die Einfuhrpreise sogar um 9,2 Prozent. 

 

„Bislang spüren Konsumentinnen und Konsumenten noch keinen großen Einfluss der Mehrausgaben auf Händler- und Herstellerseite. Unsere Prognose zeigt jedoch, dass die Verbraucherpreise im Bereich Schuhe ansteigen werden. Inwieweit Konsumierende dies mittragen, bleibt abzuwarten“, so Carina Stäbisch, Projektmanagerin am IFH Köln.